Uhr am Handgelenk
Allgemeines

Zeitmangel: Endlich Zeit zurückgewinnen!

Ich brauche mehr Zeit! Sicherlich kennt Ihr das Gefühl auch. Morgens steht man auf, isst etwas, macht sich fertig, erledigt noch schnell was und dann geht es auch schon zur Arbeit. Abends kommt man müde nach Hause, macht sich noch etwas zu essen und kann eigentlich auch gleich ins Bett. Mir geht es jedenfalls genau so! Dabei gucke ich abends nicht mal Fernsehen, sonst wüsste ich ja, wo die Zeit geblieben ist.

Die Zeit läuft…

Interessant ist, dass Außenstehende immer meinen, dass mein Zeitmanagement wohl außergewöhnlich gut zu sein scheint.
In der Tat schaffe ich recht viel am Tag, empfinde mich auch meistens als sehr produktiv. Bis vor einigen Wochen habe ich Vollzeit gearbeitet, daneben studiere ich noch Medieninformatik, habe eine Tochter, mit der ich gerne auch noch mehr Zeit verbringen möchte, führe eine Wochenendbeziehung, für die etwa zwei Stunden Fahrt von Haustür zu Haustür zu berücksichtigen sind, daneben einen Haushalt, bei dem ich von Brot bis Geschirrspülmittel sehr viel selber mache und nicht fertig kaufe, usw. Aber Zeit, um mich mit Freunden und Verwandten zu treffen oder mal etwas länger , habe ich kaum. Schon aus dem Grund, aber vor allem auch, weil ich das Gefühl habe, dass ich bei all dem irgendwie zu kurz komme, habe ich meine Arbeitszeit vor einigen Wochen auf 80 % reduziert. Einfach mal mit einer schönen Tasse Tee bei Regenwetter gemütlich aufs Sofa gekuschelt ein Buch lesen, das wär was!

Zeit-Diebe?!

Buch: „Mehr Zeit“ von Jake Knapp und John Zeratsky

Vielleicht liegt es auch nur an mir, dass ich nicht zur Ruhe komme. Ich versuche immer, irgendeinen Fortschritt zu machen. Ich will mehr erfahren, nachhaltiger leben, recherchiere, studiere, balanciere… und schon ist wieder ein Tag rum. Viel zu häufig nutze ich dafür zwischendurch (und deutlich umständlicher als am Computer) mein Smartphone.
Beim Ausmisten der letzten Tage und Wochen habe ich einige Hörbücher verschlungen. Eines davon war das Buch „Mehr Zeit“ von Jake Knapp und John Zeratsky. Die beiden Produktdesigner aus dem Silicon Valley wirkten bei der Entwicklung von Zeitfressern wie YouTube mit. Auch sie sehnten sich nach mehr Zeit und zeigen in ihrem Buch viele Möglichkeiten auf, die sie erfolgreich für sich umgesetzt haben. Während des Hörens dämmert mir immer mehr, dass sie vermutlich Recht haben: Wir verplempern unheimlich viel Zeit durch die ständige Verwendung unserer Handys. Das Geschäftsmodell vieler Apps ist speziell darauf ausgerichtet, uns zur ständigen Nutzung zu animieren. Die Autoren wissen es genau, da sie eben solche Apps mit kreiert haben.

Informationssucht?

Die Angst, etwas zu verpassen, auch „FoMO“ (engl.: Fear of missing out), veranlasst uns immer wieder, nachzugucken, ob es irgendwas Neues gibt. Dieser psychologische Effekt wird von App-Entwicklern absichtlich (aus)genutzt, um ihre Kunden ständig nach dem Handy greifen und in ihre Anwendung gucken zu lassen. Damit verdienten auch sie ihr Geld. Gleichzeitig verfielen sie ebenfalls diesem Drang, mit dem Ergebnis, dass auch ihnen die Zeit zwischen den Fingern zerrann.
Der Blick auf die Bildschirmzeit-Analyse meines Smartphones, dessen bereits einmal ausgetauschter Akku auch schon deutlich vor Tagesende wieder leer zu werden droht, bestätigt mir, was die beiden Herren im Buch beschreiben: Bei mir ist es nicht anders, als bei allen anderen Durchschnittsnutzern. Der Mittelwert an Aktivierungen (also das Handy nehmen und draufgucken) lag in den letzten Wochen bei 60 bis knapp 100 Mal am Tag! WTF?! Damit nicht genug: Instagram, Pinterest & Co. schaffen es auch immer wieder, mich einzusaugen, vom Browser mal ganz zu schweigen. Die Möglichkeit, von überall mal schnell etwas nachzugucken oder gar einkaufen zu können ist aber auch einfach toll.

„Delete all“ – ENTER

Die beiden Autoren sind daraufhin radikal vorgegangen, um sich ihrer Zeit zurück zu erobern: Die Hürde, schnell mal bei Instagram oder Facebook (oder irgendeiner andere Social Media Plattform oder Informationsquelle) vorbei zu gucken, so hoch wie möglich setzen. Besonders effektiv, wenn auch radikal, ist hier folgendes Verfahren erwähnt:

  • alle Notifications abstellen
  • Mail-Apps löschen
  • Browser-Apps löschen
  • Instagram/Facebook/Pinterest/… löschen
  • Messengerdienste wie SMS/WhatsApp/Telegram/… löschen
  • alles, was Deine Aufmerksamkeit aktiv erregt: löschen!

Bleiben dürfen Programme wie Karten-Apps, Wecker, Notizen und und und.

Smarter Minimalismus

Buch: „Joy at Work“ von Marie Kondo und Scott Sonenshein

Okay, mir wird auch sehr komisch bei dem Gedanken.
Eine andere Möglichkeit wäre es aber auch, sich immer nach der Nutzung in der App richtig auszuloggen. Das bedeutet, dass man jedes Mal sein Passwort eingeben muss, um die App zu verwenden. Das ist schon eine Hindernis, das einem die spontane Lust gleich wieder nehmen könnte. Noch krasser wäre es natürlich, wenn man auch noch auf die Verwendung seines Passwortmanagers verzichtet.
Als light-Version könnte man die Zeitfresser-Apps auch einfach auf die letzte Seite seines Homescreens verschieben. Marie Kondo schreibt in ihrem neuen Buch „Joy at Work“, dass es auch schon etwas bringen würde, die erste Seite einfach leer zu lassen und die Icons erst ab der zweiten Seite anzuordnen. Dann noch thematisch in Ordnern abgelegt, würde man auch noch einen Tastendruck mehr machen müssen, um die App zu öffnen.

Zeit lernen

Grundsätzlich dachte ich immer, es sei schlau, die Apps nach Nutzungshäufigkeit zu sortieren, um hier bei der Verwendung Zeit zu sparen. Aber es leuchtet mir ein, dass ich noch mehr Zeit spare, wenn ich die App gar nicht nutze! Da ich mich gerade unheimlich gut dabei fühle, mein Leben von Unnötigem zu befreien, werde ich das jetzt auch auf mein Smartphone anwenden. Ich habe daher den Entschluss gefasst, mich von ganz vielen Apps zu verabschieden. In der nächsten Woche werde ich meine Aktivierungshäufigkeit drastisch verringern und meine Bildschirmzeit deutlich reduzieren. Die Notifications habe ich gestern schon größtenteils abgestellt, auch das ist ja etwas, was einen immer wieder ablenkt und zum Phone greifen lässt.

Digital Detox

Die erste Seite meines Home-Screens: leere Betonoberfläche ohne App-Icons

Ein Modebegriff, der mich nun auch einnimmt. Ich will eine Woche lang mal ausprobieren, meinen Fokus auf andere Dinge zu lenken, dabei Akkustrom zu sparen und die gewonnene Zeit anders zu verwenden. Zum Beispiel, um einfach mal ein Buch zu lesen – das Regenwetter dazu hätten wir ja gerade.


Ich werde hier meinen Fortschritt protokollieren. Auch auf Instagram könnt Ihr mich auf dem Weg begleiten und unter dem Hashtag #lieberlesenstattsurfen einfach mitmachen. 🙂

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