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#stayathome – Das Zuhausebleiben wird zum „Triebmittel“

  • #stayathome: Corona – wie das Zuhausebleiben antreiben kann
  • Heferegal leer, was nun? Das selbstgemachte Backtriebmittel
  • Minimalismus: Endlich Zeit zum Ausmisten

Wenn schlagartig alles anders wird

Plötzlich ändert sich alles. Auf einmal passieren Dinge, die man so noch nie erlebt oder hierzulande für möglich gehalten hat. Unsere Kinder dürfen nicht mehr zur Schule, wir müssen – soweit möglich – Homeoffice machen oder werden von unseren Arbeitskollegen durch Plexiglasscheiben getrennt. Wir meiden andere Menschen und müssen uns Gedanken machen, wie #stayathome mit unserer Wochenendbeziehung vereinbar ist.
Dabei ist uns klar: Das ist wirklich Jaulen auf hohem Niveau, denn gleichzeitig geht es anderen Menschen um das finanzielle oder gar gesundheitliche Überleben.

Überall kleine Nager

Uns ging es bisher wohl zu gut. Wir haben zum Glück keine Kriege oder Katastrophen erleben müssen und hatten auch nicht unbedingt das Gefühl, dass sich das so schnell ändern würde (die Klimakrise mal kurz außen vor gelassen). Seine Freiheit hat man für selbstverständlich gehalten und gut gefüllte Supermarktregale sowieso.

Wir haben uns leider nicht, wie immer mal wieder von der Bundesregierung empfohlen, einen Vorrat für mindestens 14 Tage angelegt. Plötzlich erblicken wir von „Hamsterkäufen“ restlos leergefegte Regale. Die Corona-Pandemie offenbart: Toilettenpapier ist den Deutschen sehr, sehr wichtig. Und auch Hefe – frisch oder trocken – ist auf einmal heiß begehrt.

Über Bakterien und Hefen

Ich backe viel selbst, kaufe selten Brot – denn wir haben ja Fips.

Fips ist unser Roggen-Sauerteig-Ansatz. Ich habe vor einigen Monaten mal eine Anleitung aus dem Netz ausprobiert, in der erklärt wird, wie man einen eigenen Sauerteig-Starter ansetzt. Vielleicht erinnert ihr euch noch an Hermann, der vor allem in den 80ern die Runde machte? Seitdem ich weiß, dass man sich die Hefen und Bakterien auch einfach selber zu einem Sauerteig-Ansatz entwickeln lassen kann, gehört Fips zur Familie. Er wird warm gehalten, gefüttert, und wenn ich ihn mal ein paar Tage allein lassen muss, kommt er gut geschützt in den Kühlschrank.

Zu Fips schreibe ich gerne an anderer Stelle ein wenig mehr. Zum Glück braucht man für Sauerteigbrot nicht unbedingt zusätzliche Hefe – im Gegensatz zu den Dinkel- oder Weizenvollkorn-Brötchen, die ich gelegentlich zum Wochenende backe. Dieses Vollkornbrötchen-Rezept ist perfekt, weil man damit morgens nicht wirklich mehr Aufwand hat als mit Aufbackbrötchen aus dem Plastikbeutel. Und man weiß, dass man wirklich Vollkorn isst und gute Zutaten drin hat. Was also tun, wenn im Supermarkt keine Hefe mehr zu kriegen ist?

In Zeiten dieser Pandemie und des Mangels findet plötzlich das Wissen unserer Urgroßeltern den Weg ins Internet und damit Verbreitung. Hier und da wird darauf aufmerksam gemacht, dass man auch Backtriebmittel selber machen kann – sogenannte wilde Hefe. Das war mir total neu – und musste unbedingt ausprobiert werden.

Keep cool

Für den Brötchenteig braucht man wegen der langen Führung (über Nacht im Kühlschrank) deutlich weniger Hefe als gewöhnlich. Daher schien dieses Rezept perfekt geeignet zu sein, um erste Erfahrungen mit wilder Hefe zu machen. Diese soll nämlich gerade bei den ersten Ansätzen nicht ganz so triebstark – ein interessantes Wort 😉 – sein, wie man es von der Trocken- oder Frischhefe gewohnt ist.

Nach diesem Rezept habe ich also die wilde Hefe angesetzt und zu Fips auf die Küchenheizung gestellt. Nach einer Woche des Beobachtens und regelmäßigen Schüttelns war es nun so weit.

Ein Glas mit klarer Flüssigkeit und einer Dattel, ein weiteres Glas mit trüber Flüssigkeit und Schaumbildung: wilde Hefe

Wilde Hefe

Die Flüssigkeit in dem Rezept habe ich durch das Hefewasser ersetzt, ansonsten alles so gemacht wie sonst. Nachdem die kleinen Teiglinge ordentlich geschliffen, in die Form gelegt und mit Mohn und Sesam berieselt waren, kamen sie über Nacht wieder in den Kühlschrank.

#stayathome: Nahaufnahme eines Brötchenteiglings mit Mohn, zubereitet mit wilder Hefe.

Am Morgen bin ich dann wirklich gespannt in die Küche, …
… um dort dann diese Enttäuschung zu erleben:

Acht kleine Brötchen-Teiglinge in einer Springform.

Sie waren nicht wirklich aufgegangen! 🙁
Dennoch wollte ich die Brötchen noch nicht ganz aufgeben. Also stellte ich sie einfach für einige Stunden in den von der Ofenlampe leicht erwärmten Backofen und hoffte, das selbstgemachte Triebmittel nun durch die Wärme zu aktivieren.

Minimalismus: Das große Ausmisten

Huch, plötzlich ein anderes Thema? Nein, nur ein kleines Intermezzo, während die Brötchen im Backofen aufgehen – also hoffentlich!

Ich finde die Idee des Minimalismus toll. Schon vor Jahren habe ich das Konzept für erstrebenswert gehalten, aber die Umsetzung für mich noch nicht wirklich klar gekriegt. Seit einiger Zeit aber merke ich, wie sehr ich das Ziel habe, durch weniger mehr, vor allem leichter zu leben. Mein Traum ist es, mit meinem Partner irgendwann (wenn die Kinder flügge sind) in einem Tiny House zu wohnen – und dafür muss man sich schon in seinem Besitz auf das Wesentliche reduzieren. Weil ich Unordnung und übervolle Schränke immer mehr als Belastung empfinde, wollte ich mit dem Ausmisten nicht so lange warten, bis der Umzug vielleicht mal ansteht. Bei Vollzeitjob und nebenberuflichem Studium ist das zeitlich gar nicht so einfach. Hier und da hatte ich bereits etwas aussortiert, aber alles andere musste bisher immer noch warten.

#stayathome: Endlich Zeit

Aufgrund der Corona-Situation und des damit verbundenen #stayathome-Zwangs, der an die Stelle unseres Osterurlaubs getreten war, wurde ich nun angetrieben, endlich richtig loszulegen: Der Kleiderschrank ist nun deutlich reduziert – es ist nur noch etwa ein Drittel der Kleidungstücke übrig geblieben, also die Dinge, die ich auch wirklich trage.

Viele Kilo Papier (Studienmitschriften, Ausdrucke, Zeitschriften, alte Unterlagen) und jede Menge Kram sind im Müll, auf Ebay-Kleinanzeigen, auf nebenan.de oder auf Kleiderkreisel gelandet (Flohmarkt und mein geliebtes Glückslokal gehen ja zur Zeit nicht). Erstaunlich, was dabei an Geld zusammen kommt, obwohl ich auch vieles verschenkt habe. Mein Zeitschriften-Abo ist gekündigt, um nicht bald wieder so viele Ausgaben anzusammeln. Einen 1m breiten und einsturzgefährdeten Kleiderschrank konnten wir abbauen, da auf der anderen (und zum Glück stabiler wirkenden) Schrankseite nun viel Platz frei geworden ist.

#stayathome: Ein nur halbvoller Kleiderschrank.

Ein aus dem Keller hervorgezauberter Kleiderständer steht nun an der Stelle der entsorgten Schrankhälfte.
Das Ganze ist wirklich unglaublich befreiend. Das soll für mich aber nur der Auftakt sein, um meinen Konsum und Besitz immer weiter kritisch zu hinterfragen, auch nach #stayathome. Außerdem warten auch noch Keller und Dachboden auf eine Entrümpelungskur – aber das gehe ich erst an, wenn eine Sperrmüllabholung wieder möglich ist.

Ach ja…

… da ist ja noch etwas im Ofen.
Nach Stunden des Sich-von-Dingen-Trennens, Ständig-wieder-zur-Mülltonne-Laufens und In-alten-Erinnerungen-Schwelgens fiel mir ein, dass ich ja noch die Teiglinge im Backofen hatte. Neugierig schaute ich nach, was aus ihnen geworden war:

#stayathome: Wilde Hefe - selbstgebackene Vollkorn-Brötchen mit Mohn und Sesam

*Kreisch!*
Statt zum Frühstück gab es die nun wunderbar aufgegangenen Brötchen schließlich zum Abendbrot – und sie waren superlecker!

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