Elektroschrott im Park
Outdoor

Plogging – unser erstes Mal

Neues Jahr, neue Vorsätze. Weniger arbeiten, na klar. Häufiger vor die Tür gehen, immer gut. Der Klassiker: Mehr Sport treiben. Und nicht zuletzt: Mehr Dinge tun, die glücklich machen.

Heute haben wir etwas ausprobiert, das alle diese Vorhaben vereint: Plogging. Eine neue Sexpraktik? Nein, leider nicht. Das Wort ist eine Kombination von „plocka“ (schwedisch für „aufheben“) und „Jogging“, und genau darum geht es: Du joggst durch die Natur (oder die Stadt, oder wo auch immer), achtest dabei auf herumliegenden Müll und – nun ja – sammelst diesen ein. Hört sich voll eklig an? Hier ist unser Erfahrungsbericht:

Laufsachen, Handschuhe, Papiertüte – auf geht’s!

Plogging-Zwischenstand
Kiel, es ist Neujahr, früher Nachmittag, die Sonne scheint. Wir schlüpfen in die Laufklamotten, ziehen Handschuhe über und schnappen uns jeweils eine große Papiertüte. Los geht’s, zunächst in den Park in der Nachbarschaft. Wir befürchten Schlimmes: Raketen- und Böllerreste en masse, ruckzuck werden die Tüten voll sein. Umso überraschter stellen wir fest, dass der meiste Silvestermüll – sofern er nicht vorbildlich mit nach Hause genommen wurde – in den öffentlichen Abfalleimern entsorgt wurde. Wir kommen also tatsächlich zum Joggen und halten dabei die Augen auf – während wir in einen kurzen Regenschauer mit kräftigen Windböen geraten. Puh, schon wieder vorbei, weiter geht’s.

Ploggen ist fast wie Ostereiersuchen: Irgendwo blitzt etwas Rotes im Gras – nichts wie hin und den Plastikbecher in den Osterkorb – ähh in die Mülltüte gepackt. Da hinten, eine leere Feuerwerksbatterie – schwupps, eingesackt. Der dauernde Wechsel zwischen Joggen und in die Knie gehen ist erstaunlich anstrengend. Hinzu kommt das Armtraining durch die zunehmend schwerer werdende Tüte: Hier eine Weinflasche am Wegesrand, dort irgendein undefinierbares, mit Wasser vollgesogenes Etwas, das entfernt an ein Sattelkissen erinnert (und es hoffentlich auch ist).
Einige Spaziergänger beobachten uns interessiert, andere bedanken sich bei uns. Einer beginnt sogar damit, selbst Müll aufzuheben.Elektroschrott in der Kieler Förde

Am Ufer der Kieler Förde liegt eine rechteckige Metallplatte zwischen den Steinen. Zum Glück gibt es in der Nähe eine Leiter, die von der Kaimauer hinabführt. Wie sich herausstellt, handelt es sich um die Reste eines alten Rechners, mit Platine und Netzteil – und Muscheln dran – der liegt offenbar schon länger hier. Etwas später finden wir eine schrottige Mikrowelle auf einer Parkbank (!) – krass, wer macht sowas?

Fazit: Alles halb so schlimm!

Nach einer Stunde und knapp 4 km kommen wir wieder zu Hause an. Der Elektroschrott kommt erstmal in den Keller und wird bei Gelegenheit zum Wertstoffhof gebracht, alles andere wandert in den Restmüll bzw. den Altglas-Container. Die körperliche Aktivität tat wirklich gut, und obwohl wir nicht wirklich Strecke gemacht haben, sind wir doch ziemlich k. o. Es ist ein gutes Gefühl, und das Plogging war längst nicht so eklig wie anfangs befürchtet – die Handschuhe mussten nach unserer Rückkehr aber doch in die Wäsche.
Neujahrsplogging - Endstand
Ok, man weiß ja, wie es sich mit Vorsätzen zum neuen Jahr meistens verhält. Aber: Ploggen macht richtig Spaß! Daher sind wir uns sicher, dass es keine einmalige Aktion bleiben wird. Es muss ja nicht täglich sein, aber einmal im Monat oder so wäre schon gut. Schließlich landet Müll das ganze Jahr über leider auch dort, wo er nicht hingehört.

Habt ihr auch schon mal geploggt? Was waren eure kuriosesten Fundstücke? Wie haben die Leute reagiert, denen ihr begegnet seid? Wir freuen uns auf eure Berichte und wünschen euch allen ein #tidynewyear!


For international readers: The English version of this post.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Durch die weitere Nutzung der Seite stimmst du der Verwendung von Cookies zu. Weitere Informationen

Die Cookie-Einstellungen deines Browsers sind für diese Website auf "Cookies zulassen" gesetzt, um das beste Surf-Erlebnis zu ermöglichen. Wenn du diese Website ohne Änderung der Cookie-Einstellungen verwendest oder auf "Akzeptieren" klickst, erklärst du dich damit einverstanden. Für Details siehe unsere Datenschutzerklärung.

Schließen