Plakat "There is no Planet B" auf einer FFF-Demo
Gedanken,  Klimakrise

Parents for Future: Gemeinsam gegen die Krise

Kuckuck… jaaa, dieser Blog lebt noch. Er hat nur eine Weile pausiert. Und in diesem ersten Beitrag nach der Pause erzähle ich euch, wie es dazu kam und wie die Parents for Future mir geholfen haben weiterzumachen.

Bis Februar lief es richtig gut mit dem Schreiben. Ich hatte Themen, die mir unter den Nägeln brannten – Papierflut, SUV-Boom, Klimaklage und ein paar mehr. Dann bin ich irgendwie aus dem Tritt gekommen. Ja klar, es gab viel anderes zu tun – im Job, in der Familie. Aber das war es nicht allein, etwas anderes hat mich am Schreiben gehindert. Eine Art „Sinnkrise“.

Entsesseln ist schwerer als gedacht

Im November 2018 waren Nicole und ich voller Enthusiasmus mit Entsesselt gestartet, mit dem Blog und parallel auf Instagram und ein bisschen Facebook. Wir wollten möglichst viele Menschen wachrütteln, sie auf die drohende Klimakatastrophe hinweisen und zu einer nachhaltigen Lebensweise animieren. Kurz: Wir wollten sie entsesseln – aus der Komfortzone rausholen und endlich zum Handeln bewegen. Das erwies sich leider als zähes Geschäft. Die Followerzahlen auf Instagram stiegen nur sehr langsam, die Besucherzahlen im Blog hielten sich in engen Grenzen.

Nicole hat sicher Recht, wenn sie sagt: Das alles braucht Zeit, wir müssen aktiver sein, mehr interagieren. Aber es hat mich trotzdem frustriert, im Wesentlichen Write-Only-Artikel zu schreiben. In meinem Umfeld scheint sich kaum jemand für die Klimakrise zu interessieren, die allermeisten leben so weiter wie immer und erkennen noch nicht einmal das Problem. In manchen Momenten macht mich das rasend. Wie kann man so blind durch die Welt gehen und so dermaßen verantwortungslos mit der Zukunft unserer Kinder und Enkel umgehen? Und im Großen ist es noch schlimmer: grassierender Rechtspopulismus, Lügen und Leugnen allerorten – Trump, AfD, Scheuer, Klöckner, Altmaier, neue Kohlekraftwerke in der Türkei und sonstwo.

Erst die Fridays, dann die Parents

Ich konnte es mir einfach nicht erklären: Unsere Lebensgrundlage ist existenziell bedroht, und kaum jemand nimmt es wahr bzw. will es wahrhaben und sich aktiv dagegen stemmen.

Dann kam – inspiriert durch die wunderbare Greta Thunberg – die Bewegung Fridays for Future (FFF) ins Rollen. Endlich: Junge Menschen stehen auf und protestieren lautstark gegen die Zerstörung ihrer Zukunft.

Bei den ersten kleinen FFF-Demos in Lübeck waren die Schüler*innen nach meiner Wahrnehmung im Wesentlichen unter sich. Einige versprengte Erwachsene standen etwas hilflos daneben. Bei der globalen Demo am 15.3. sah das schon anders aus: Inzwischen hatten sich auch in unserer Stadt die Parents for Future (P4F) formiert- ein loser Zusammenschluss von Eltern und anderen Erwachsenen, die die Ziele und Aktionen der FFF-Bewegung unterstützen. Nach ein paar Tagen Austausch über WhatsApp sind wir in einer kleinen, aber feinen Gruppe mit eigenen Schildern mitgelaufen, Motto: „P4F – Verursacher nach hinten“. Es war ein tolles Gefühl, so viele Menschen zu sehen, die gemeinsam für die Eindämmung der Klimakrise einstehen. Hurra, wir waren doch nicht alleine mit unseren Sorgen und Ängsten. Hier waren auf einmal Menschen, die genauso dachten.

FFF-Demo in Lübeck - unterstützt von Parents for Future

Bewegung braucht Strukturen

Im Nachgang der globalen Demo war der Enthusiasmus bei den Parents for Future greifbar: Die Graswurzel-Bewegung wuchs nun auch auf Elternseite, inzwischen gab es über 150 Ortsgruppen. Deren WhatsApp-Gruppen hatten großen Zulauf, und es wurde leidenschaftlich diskutiert. Bis auch hier so etwas wie Katerstimmung einsetzte: Da in ganz Deutschland (und natürlich auch international) Ortsgruppen aus dem Boden sprossen, wurde die Kommunikation immer schwieriger. WhatsApp ist einfach nicht das richtige Medium für solche Bewegungen: Laufend müssen Nachrichten von einer Gruppe zur nächsten weitergeleitet werden, damit alle informiert bleiben. Es wuchs also der Bedarf nach Organisation, nach Struktur und Abläufen, und entsprechend intensiv wurde in den Gruppen darüber diskutiert. Viele wollten genau das nicht: bloß kein fester Überbau, lieber raus auf die Straße und demonstrieren, lieber über Lösungen reden als über Orgakram.

Alles sehr nachvollziehbar – aber andererseits leider auch ziemlich naiv. Denn natürlich muss eine Bewegung, wenn Sie in der Öffentlichkeit wahrgenommen werden und etwas bewirken will, gut aufgestellt sein und vor allem mit einer Stimme sprechen. Das gilt auch für die Parents for Future: Das Team der Bundesorga und viele weitere Engagierte arbeiten im Hintergrund mit großer Energie an Lösungen – Website, Kommunikationsplattform, Regeln zur Entscheidungsfindung usw. – und das braucht natürlich eine gewisse Zeit, wenn es gut werden soll.

Zurechtruckeln, weitermachen!

Und es wird gut werden, davon bin ich überzeugt. Denn hier sind so viele Menschen mit unglaublich viel Herzblut dabei, opfern ihre gesamte Freizeit für die Sache. Und diese Sache ist viel zu wichtig, als dass man leichtfertig das Handtuch werfen sollte. Bei allen (normalen) Startschwierigkeiten: Aufgeben ist überhaupt keine Option. Nicht alle haben die Geduld und das Verständnis dafür. Die Parents for Future müssen damit leben, dass Leute sich abwenden, weil die Dinge nicht so laufen, wie sie sie sich vorstellen. Vielleicht kehren sie zurück, wenn sich die vielen Stunden Arbeit auszahlen und P4F richtig gut aufgestellt ist. Ich wünsche mir sehr, dass sie es tun, denn es gibt kein wichtigeres Thema, für das man sich engagieren könnte.

Und meine Sinnkrise? Erkläre ich hiermit einfach mal für beendet. Wenn ich sehe, wie sich die anderen engagieren, will ich dem nicht nachstehen. Und so plane ich schon die nächsten Blog-Artikel. Tja, und wenn die auch wieder niemand liest? So what – mir geht es auf jeden Fall besser, wenn ich mir meine Gedanken von der Seele geschrieben habe.


For international readers: The English version of this post.

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