No Poo - gesundes Haar ohne Shampoo
Bad,  DIY,  Zero Waste

No Poo – Haarpflege ohne Shampoo

No Poo kommt aus dem Englischen. Der Begriff steht erstmal für No Shampoo. Gleichzeitig handelt es sich jedoch um ein kleines Wortspiel, das sowas wie kein Scheiß bedeuten soll. No Poo beschreibt eine Haar-Reinigung, für die kein konventionelles Shampoo verwendet wird, sondern natürliche Alternativen.

No Poo statt Shampoo

Warum das alles? Weil das wegen seines schönen Duftes so geliebte Shampoo leider gleichzeitig Plastikverpackungen, Silikone, Sulfate, Mikroplastik usw. mitbringt. Das belastet die Umwelt, unsere Haare und den eigenen Körper. Unsere Kopfhaut reagiert auf das Auswaschen aller körpereigenen Pflegestoffe zwangsläufig damit, immer mehr zu produzieren, was in schnell fettendem Haar mündet. Also wird von uns immer häufiger gewaschen – ein Teufelskreis. Wenn man diesen durchbricht, lässt sich nicht nur Wasser, Zeit und Geld sparen. Man darf sich dazu an einer beruhigten Kopfhaut und gesundem Haar erfreuen. Nebenbei betreibt man sogar noch Umweltschutz.

Die alten Zöpfe müssen ab

Das klingt doch alles schon mal richtig gut und geht an sich auch ganz einfach, wenn man mal die sprichwörtlichen alten Zöpfe abschneidet und sich auf etwas Neues einlassen mag.

Ich war es leid, meine Haare täglich waschen zu müssen, weil sie am zweiten Morgen schon wieder einen fettigen Ansatz hatten. Außerdem hatte ich zwar unglaublich glänzendes, aber ätzend glattes und volumenloses Haar. Eine ziemlich lange Zeit versuchte ich mit Haarspray, irgendwelchen Volumenpudern und/oder anderen Stylingprodukten (in jungen Jahren sogar mit einem Lockenstab) eine Spur von Fülle in mein Spaghetti-Haar zu bekommen. So richtig zufriedenstellend war es jedoch nie.

Das Internet – Quell an Information und Inspiration

Ich hatte mich mittlerweile schon fast mit meinem Schicksal abgefunden, als ich erstmals von dem No-Poo-Trend las. In meiner sich damals gerade bildenden Öko-Filterblase erschienen Leute, die aufhörten, sich die Haare (mit Shampoo) zu waschen – darunter sogar einige Promis. Das „mit Shampoo“ habe ich absichtlich in Klammern gesetzt, da einige Shampoo-Verweigerer nicht mal mehr Wasser an ihre Kopfhaut lassen, sondern die Haar-Reinigung nur durch tägliches, ausgiebiges Bürsten vollziehen. Ich wollte dann doch lieber erstmal versuchen, meine Haare nur mit reinem Wasser zu waschen.

Igitt, fettige Haare!

fettige Haare

Jetzt muss man jedoch einschieben, dass Kopfhaut und Haar durch die Shampoo-Zeit gelitten haben. Die Absonderungen der Kopfhaut, also Talg und Fett, sollen sich schon allein durch die tägliche Reinigung verändern. Ich las, dass man erstmal durch eine schwere Zeit gehen müsse, um das alles wieder auf Null zu bringen. Das bedeutet: Einige Wochen fettige Haare?! OMG – das wäre nichts für mich gewesen. Am Wochenende habe ich es wohl mal ausgehalten, aber so konnte ich doch auf keinen Fall zur Arbeit gehen. Immerhin waren meine Haare und ich mittlerweile wieder darauf konditioniert, nur noch alle zwei Tage zu waschen. Wobei ich am zweiten Tag bitte keinen wichtigen Termin haben durfte, denn so richtig fresh sah die Frisur dann nicht mehr aus.

Wasser marsch!

Ich wollte es wissen. Ich wollte genauso so tolle Haare haben, wie die Leute, die mir ihre schöne Haarpracht auf YouTube und ihren Blogs zeigten und von No Poo schwärmten. Also versuchte ich, meine Haare mit reinem Wasser zu waschen. Ich musste schon sehr lange den Duschkopf mit einem sehr harten Strahl und recht heißem Wasser über die Kopfhaut und ihren Bewuchs gleiten lassen, um eine Wirkung zu erzielen. Danach waren die Haare zwar nicht mehr fettig, aber trotzdem ein wenig anders. Wie ich lernen musste, lag es daran, dass ich die schützende Schicht nicht wie sonst abgespült habe. Natürlicherweise legt sie sich um jedes einzelne Haar, wird durch Shampoo jedoch immer wieder aktiv entfernt. Hierbei handelt es sich genau um die Schicht, die das Haar pflegt und schützt und ihm zu natürlichem Volumen und Stand verhilft.

Kaputtes Haar, was nun?

Vermutungen, dass die Haare heutzutage genau aus diesem Grund zu Spliss und Trockenheit neigen könnten, weil man ihren natürlichen Schutz täglich aufs Neue entfernt, empfand ich als wirklich plausibel. Die Erfahrung strohig aussehender Haare musste ich nach dem Shampoo-Verzicht leider auch machen. Das lag aber NICHT an der vermeintlich schädlichen alternativen Waschart, sondern am vorher über Jahre verwendeten Shampoo. Es hatte durch Silikone und silikonähnliche Stoffe die entstandenen Schäden bisher nur immer schön kaschiert. Man könnte den Kosmetikfirmen hier ein gewisses Kalkül unterstellen: Erst produzieren sie ein Shampoo, das uns dazu bringt, immer häufiger Haare zu waschen, und erfreuen sich damit eines größer werdenden Absatzes. Dann präsentieren sie uns gleich darauf allerlei Pflegeprodukte, nachdem das Haar durch die Verwendung ihrer Ware kaputt gegangen ist. Auch wenn die Kosmetik-Industrie uns etwas anderes einreden möchte: Kaputte Haare lassen sich nicht mit irgendwelchen Repair-Waschmitteln reparieren. Da hilft nur eines: Die Schere! Die splissigen Spitzen ließ ich mir erstmal ordentlich abschneiden. Dem No Poo bin ich aber aus Überzeugung treu geblieben. Das wurde letztendlich mit schönem und gesundem Haar honoriert. Es hat jetzt einen tollen Stand und Griff. Heute muss ich meine Haare nur noch alle 3 bis 4 Tage waschen.

Aus der Küche auf den Kopf

RoggenmehlshampooSo richtig warm wurde ich mit water only nicht. Schon allein deshalb, weil das Spülen einfach sehr viel Zeit und vor allem viel Wasser in Anspruch nahm. Weil ich eben nicht mit einem Speck-Kopf rumlaufen wollte, musste ich diese Prozedur anfangs nahezu täglich vollziehen. Außerdem muss die Water-Only-Methode durch ein sehr ausgiebiges und dadurch zeitintensives Haarebürsten begleitet werden. Ich probierte also etwas anderes aus: Haar-Reinigung mit Hilfe einer Natron-Spülung. Das war zwar okay, überzeugte mich aber trotzdem noch nicht so wirklich.
Ich war wahrscheinlich einfach zu neugierig auf die Verwendung des „Roggenmehl-Shampoos“, über das ich immer wieder in unterschiedlichen Blogs und Vlogs stolperte. Das wiederum war der absolute Hammer. Zwar fehlte mir bei dem matschigen Gefühl, das schon ein wenig an die Konsistenz von Shampoo erinnerte, anfangs ein wenig der Schaum, aber die Reinigungsleistung war enorm. Ich hatte nur den Fehler gemacht, selbstgeschrotetes Vollkornmehl zu verwenden. Es war deshalb ungünstig, weil ich mir beim Föhnen plötzlich so einen groben Staub aus meinen Haaren blies. Auch beim Haarebürsten rieselten die in der Ernährung so erwünschten Ballaststoffe von meinem Kopf auf Kleidung und Boden. Ich musste also feststellen, dass weniger hier mehr ist: Je geringer die Type-Angabe des Mehls, umso besser.

No Poo: Roggenmehl für die Haare

Wie zu Omas Zeiten: Seife

Aber für unterwegs fand ich das Mehl eher unpraktisch, also probierte ich Haarseife aus. Zum Duschen und Händewaschen hatte ich Seife eh schon verwendet. Haarseife hat im Gegensatz zu den anderen Shampoo-Alternativen den Vorteil, dass man sich am gewohnten Schaum-Gefühl und an den unterschiedlichen Düften erfreuen kann. Hier kommt aber ein großes ACHTUNG! Anfangs bin ich fast verzweifelt, weil meine Haare ziemlich schnell wirklich schlimm aussahen: Sie wirkten irgendwie immer schmieriger und waren teilweise sogar eklig verklebt! Wie ich später bei einem neuen Versuch lernen durfte, komme ich bei der Verwendung von Haarseifen nicht drumrum, wirklich zweimal hintereinander die Haare einzuschäumen und auszuspülen. Außerdem ist es gerade bei hartem Wasser, wie wir es in unserer Gegend leider haben, nahezu unumgänglich, die Haare mit einer Sauren Rinse zu spülen. Diese entfernt zuverlässig die sogenannte Kalkseife, die sonst im Haar verbleiben würde. In Ausnahmefällen, also wenn ich mal unterwegs oder schlimm in Eile bin, reicht es auch, die Haare am Ende nur kurz kalt abzubrausen. Bei der nächsten Wäsche sollte aber spätestens wieder sauer gespült werden.

Kleckermatsch ins Haar?

Bevor ich mich nach einem weiteren Versuch doch noch mit der Haarseife versöhnt habe, probierte ich Lavaerde1– aus. Mit dieser war ich ebenfalls sehr, sehr zufrieden. Es ist zwar auch etwas gewöhnungsbedürftig, sich etwas eher dreckig Anmutendes in die Haare zu schmieren, nämlich Erde, aber die Reinigungswirkung ist echt enorm. Nachdem meine Tochter und ich lange Zeit mit Lavaerde unsere Haare gewaschen haben, wechselten wir beide wieder zu Haarseife, weil ich den Eindruck hatte, dass diese für ein Kind doch leichter zu handhaben ist.
Ich wasche mittlerweile abwechselnd mit unterschiedlichen Alternativen, meist aber mit Roggenmehl oder Haarseife. Außerdem hatte ich ja mal probiert, mir Kastanienshampoo selbst herzustellen, war davon aber letztendlich nicht so wirklich angetan. Allein der Aufwand spricht für mich schon dagegen, wenn man doch all die anderen einfacheren No-Poo-Varianten zur Verfügung hat. Was ich aber nochmal versuchen werde, ist, meine Haare mit dem selbst angesetzten flüssigen Kastanienwaschmittel zu waschen, das ich ja seit Jahren zum Wäschewaschen verwende.

Shampoo-Bar = Haarseife?

Seife für die HaareDen Trend zu festem Shampoo begrüße ich aus Gründen der Einsparung von Plastikverpackungen schon sehr, bin aber bezüglich der Inhaltsstoffe und ihrer Unbedenklichkeit für Körper und Wasser noch skeptisch. Außerdem fürchte ich, dass auch ein Shampoo in fester Form die von mir so geschätzte „Schutzschicht“ runterwaschen würde und ich wieder von vorne anfangen müsste, diese zu bilden und bis in die Spitzen zu „verteilen“. Genau, Haarseifen und Shampoo-Bars sind nicht dasselbe, was man an den Inhaltsstoffen gut erkennen kann. Letztere sind aber zumindest eine plastikvermeidende Alternative, wenn man mit all den No Poo-Varianten nicht klar kommt.

 

Wie wascht ihr eure Haare so? Was sind eure Erfahrungen? Habt ihr noch irgendwelche Tipps? Immer her damit!


¹ Lavaerde ist Wascherde. Der Begriff kommt aus dem Lateinischen: lavare – waschen

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