Allgemeines,  Gedanken,  Minimalismus

#lieberlesenstattsurfen – digitaler Minimalismus vs. FoMO

Ich möchte mehr Zeit haben. Zeit für mich, für meine Tochter, meinen Partner und für die schönen Dinge des Lebens. Ich möchte mehr lesen, Sport treiben, wieder häufiger auf entsesselt posten und nach Corona auch mehr mit Freunden und Verwandten unternehmen. Und mein Studium möchte ich auch endlich abschließen.
Dabei gilt es vor allem an meiner Angst, etwas zu verpassen (FoMO) zu arbeiten. Es wäre doch toll, wenn sich der Minimalismus, den ich immer mehr zu schätzen lerne, auch auf die digitale Welt anwenden ließe. Ich möchte mich nicht ständig von meinem Smartphone aus dem Flow reißen oder für insgesamt mehrere Stunden am Tag ablenken lassen.

Instagram

Ihr könnt mich hier bei meinem Versuch begleiten. Auf unserem Instagram-Account werde ich unter dem Hashtag #lieberlesenstattsurfen ebenfalls berichten (und dann die App gleich wieder schließen!!!). Wer Lust hat, kann gerne mit machen und ebenfalls den Hashtag verwenden.
Ich bin gespannt, wie es werden und ob es funktionieren wird.

Der Anfang

Hack gegen FoMO: Smartphone mit leerem Startbildschirm

Ich habe die erste Seite meines Homescreens total geleert. Die Apps, die mich ständig dazu verleiten, sie zu öffnen, um zu gucken, ob es Neuigkeiten gibt, wurden einige Seiten nach hinten verschoben und in Unterordner sortiert. Ganz gelöscht habe ich bisher nur sehr wenige Apps. Mal gucken, welche weiteren Programme ich noch von meinem Smartphone werfe.

WhatsApp durfte bleiben, weil ich darüber mit zu vielen Menschen, vor allem aber mit meinem Partner, in Kontakt stehe. Ich habe jedoch sämtliche Kontakte und Gruppen außerhalb der Familie für ein Jahr auf stumm gestellt.


Tag 1: Montag, 04. Mai 2020 – ohne FoMO

Der erste Tag ohne ständig auf das Smartphone zu gucken, ist erfolgreich geschafft! Es war gar nicht so schwer, wie ich dachte. Ich denke, dass lag vor allem daran, dass ich alle Notifications ausgestellt habe und so nicht ständig zum Griff nach dem Handy animiert wurde.
Gleich am Morgen hatte ich einen Zahnarzttermin. Dort musste ich leider auch länger warten. Zum Glück hatte ich ein kleines Buch dabei, sodass ich wirklich nicht anfing, Instagram und Co. durchzurosten, sondern stattdessen zu lesen.

Veränderungen nach dem ersten Tag:

Ich habe zum Nachmittag nun auch noch die Benachrichtigungen über meine Hybrid-Uhr (halb Wearable/halb „normale“ Uhr mit Zeiger) deaktiviert, weil die mich ja auch ständig dazu gebracht haben, erst auf meine Uhr und dann auf mein Handy zu gucken.

Bildschirmzeitauswertung:


Tag 2: Dienstag, 05. Mai 2020 – FoMO ade, keine Notification am Handgelenk

Heute nur ganz kurz:

Es lief recht gut! Ich habe meine FoMO im Griff und mich wieder nicht dazu hinreißen lassen, bei Instagram und/oder Pinterest zu surfen. Auch der Browser wurde nicht verwendet, um schnell mal etwas nachzugucken! Die Mails habe ich am Morgen kurz am Computer gecheckt, über den Tag links liegen lassen und eben nochmal über den Rechner abgerufen – das reicht tatsächlich.

Ich merke, dass ich bei der Arbeit weniger abgelenkt und dadurch auch weniger gestresst bin.

Zum Lesen bin ich heute leider nur ganz kurz gekommen, aber immerhin. Dafür habe ich etwas im Haushalt geschafft und Zeit mit meiner Tochter verbracht.


Tag 3: Mittwoch, 06. Mai 2020 – Newsletter abbestellen

Ich versuche mir nun anzugewöhnen, meine E-Mails morgens und abends vom Rechner aus zu checken, statt über den Tag immer wieder in den Maileingang zu gucken. Über den Computer kann man auch deutlich komfortabler und schneller antworten → mehrfache Zeitersparnis!
Dabei habe ich wieder mal gemerkt, dass ich nur ein Bruchteil der Mails wirklich öffne, weil ein unheimlich großer Anteil der Eingänge aus Newslettern oder anderen Benachrichtigungen besteht. Diese werden dann von mir immer wieder in größeren Aufräumaktionen im Paket gelöscht. Aber warum sollten sie mich überhaupt belasten, wenn ich sie gar nicht lese? Auch diese Papierkorb-Aktionen kosten Zeit und die Speicherung von all den Mails kostet Serverplatz und verbraucht dadurch unnötig Strom – also total unökologisch!

unsubscribe

Papierkorb auf dem Apple-Rechner

Der erste Step bestand nun darin, einen Haufen Newsletter abzubestellen. Ich habe sicherlich noch nicht alle erwischt, aber das kann man ja kontinuierlich fortsetzen.
Im nächsten Step werde ich mal wieder ordentlich digitalen Müll im Posteingang wegwerfen oder ordentlich ablegen. Das Ziel: Ein Posteingang wie ein Briefkasten – nur gefüllt mit aktueller Post!


Tag 4: Donnerstag, 07. Mai 2020 – digital leihen statt zu besitzen

Es ist ja so toll, endlich die ganzen ungenutzten oder unnötigen Dinge losgeworden zu sein und noch weiter loszuwerden. Ich bin noch lange nicht fertig, aber bereits auf einem guten Weg, meinen Besitz immer mehr zu reduzieren.
Nun möchte ich ja wieder mehr Zeit zum Lesen haben…und es gelingt mir auch schon ganz gut, weil ich mich nicht mehr so von meiner FoMO hinreißen lassen, ständig zum Smartphone zu greifen und mich in irgendwelche Feeds ziehen zu lassen. Bücher sind toll. Ich besitze grundsätzlich auch gerne welche, aber muss man Bücher in seinen Regalen stehen haben, wenn man diese nicht noch einmal lesen wird? Und überhaupt ist die Frage, ob es überhaupt gedruckte Bücher sein müssen.

Gedruckt oder digital? Besitzen oder leihen?

Ich mag es, die Seiten umzuschlagen, ich mag das Rascheln dabei, ich mag dieses Analoge, aber ist es wirklich notwendig?
Früher hatte ich eine Stadtteilbibliothek direkt im Gebäude meiner Schule. Viele Pausen habe ich dort gestöbert und mir immer neue Bücher ausgeliehen und verschlungen. Als ich mein Abi hatte und nach Hamburg und einige Jahre später nach Hannover ging, war das Ausleihen von Büchern irgendwie kein Thema mehr. Und dann war das Konzept Bü Bücher-Leihens irgendwann aus meinem Kopf verschwunden. Ehrlich gesagt wusste ich nicht mal, wo die nächste Bücherei gewesen wäre. Ich kaufte Bücher nur noch. So haben sich mit der Zeit einige Exemplare angesammelt.
Von sehr vielen dieser Bücher habe ich mich nun endlich getrennt. Ich konnte sie verkaufen oder verschenken, weggeworfen habe ich keines von ihnen. Ich gehe davon aus, dass in nächster Zeit noch mehr aus meinen Regalen verschwinden werden, wenn ich mir eingestehe, dass ich sie eh nicht mehr lesen werde.

Büchereien – auch online

In den letzten Jahren habe ich viele Bücher als Hörbücher konsumiert. Das ist wirklich super. Außerdem liegen einige Bücher auch als eBooks auf meinen Devices. Ich habe sie einmal gelesen und nun? Sie liegen da. Ich kann sie nicht so wirklich verleihen oder so, aber nochmal lese ich sie sicherlich auch nicht. Irgendwie doof.
Weil ich Bücher nicht mehr alle besitzen muss, werde ich sie nun wieder leihen. Das spart nicht nur Platz, sondern nebenbei sogar noch Geld. Tja, nur eine Ausleihkarte habe ich nicht. Durch Corona kann ich mir nun auch nicht einfach eine besorgen, um Bücher auszuleihen, weil die Büchereien ja noch geschlossen sind. Um mich aber schon mal zu informieren, bin ich auf die Seite unserer Stadtbücherei gegangen und habe dort von dem tollen Angebot erfahren, dass ich noch bis Monatsende kostenlos über die Onleihe zwischen den Meeren eBooks leihen kann. Das habe ich gleich mal mit diesem Titel getan:

Die ersten Seiten über Minimalismus waren schon mal wirklich vielversprechend.

Sobald die Büchereien wieder öffnen, werde ich mir wieder eine Büchereikarte zulegen, um Bücher zu lesen, ohne sie zu besitzen. Ich finde das total toll! Ebooks, die man sich spontan runterladen und lesen kann und dann wieder los wird. Echte Bücher, deren Seiten man beim Blättern hören und fühlen kann, für die man aber hinterher keinen Platz in der Wohnung finden muss.


Tag 7: Sonntag, 10. Mai 2020 – Es läuft…

Ich habe ein paar Tage nicht geschrieben. Auch bei Instagram war ich etwas nachlässiger, was meine Berichte angeht. Das lag schlicht daran, dass mein Fokus ganz woanders lag. Ich habe viel mit meiner Tochter und meinem Partner gemacht, Scrabble und Karten gespielt, ein wenig in der Wohnung gemacht,… – lauter völlig analoge Dinge.


FAZIT

Ich bin ehrlich gesagt ziemlich geflasht, was schon so kleine Änderungen im Smartphone-Verhalten für Auswirkungen haben. Ich habe in meiner ersten Woche meine Bildschirmzeit um 45 % reduzieren können. Auch meine Aktivierungen, und darum ging es mir ja vor allem, weil die auch ein Zeichen für FoMO (engl.: Fear of missing out) sind, haben sich um einen ähnlichen Betrag reduziert. Und das, obwohl ich immer mal nachgucken musste, ob ich zeitnah auf eine Nachricht zu antworten habe (das war nämlich in dieser Woche leider nötig), da ich ja die Notification abgestellt hatte.

Was hat es mir gebracht

Makroaufnahme eines Nadelöhrs mit eingefädeltem Garn.

Tatsächlich hat mir das kleine Experiment merkbar mehr Zeit geschenkt. Ich habe das eine oder andere Kleidungsstück repariert, das schon länger auf einem entsprechenden Stapel lag, die Hausarbeit nicht so aufgeschoben, in der Wohnung insgesamt mehr geschafft (mein Vorhaben, mich von Dingen zu trennen und es uns gleichzeitig noch schöner zu machen läuft ja kontinuierlich weiter), mehr mit meiner Familie gespielt und vor allem bin ich wirklich mehr zum Lesen gekommen. Außerdem war ich auch bei der Arbeit weniger gestresst, was vermutlich daran lag, dass ich von meinem Handy nicht ständig aus dem Fokus gerissen wurde.
Zum Ende der Woche habe ich sogar mein altes Ritual wieder aufleben lassen: Eine Viertel- bis halbe Stunde Yoga vor dem Schlafengehen.


Diesen digitalen Minimalismus werde auf jeden Fall noch weiter so praktizieren und meine Smartphone- und Computerzeit vielleicht sogar noch weiter reduzieren… – Zeit ist doch einfach zu schade, um sie mit un- oder pseudoproduktiver Surferei zu verplempern.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Durch die weitere Nutzung der Seite stimmst du der Verwendung von Cookies zu. Weitere Informationen

Die Cookie-Einstellungen deines Browsers sind für diese Website auf "Cookies zulassen" gesetzt, um das beste Surf-Erlebnis zu ermöglichen. Wenn du diese Website ohne Änderung der Cookie-Einstellungen verwendest oder auf "Akzeptieren" klickst, erklärst du dich damit einverstanden. Für Details siehe unsere Datenschutzerklärung.

Schließen