Destruktive Geschäftsbanken: Geldschein klemmt in einem Baumstumpf.
entsetzt,  Geld

Investiert auch deine Bank in die Zerstörung unserer Zukunft?

Nächste Woche halte ich beim Klima-Café Plus Lübeck einen Vortrag über nachhaltige Banken. Das nehme ich zum Anlass, diesem Thema auch zwei Blogbeiträge zu widmen. 🙂 Hier ist Teil 1 – über destruktive Geschäftsbanken und ihre klimaschädlichen Investitionen. (Für Teil 2 siehe: Nachhaltige Banken – jeder Euro ist ein Stimmzettel!)

Was haben Banken mit der Klimakrise zu tun?

Während die Corona-Pandemie die Medien beherrscht, schreitet die Klimakrise unvermindert weiter voran. Auch wenn der Ernst der Lage noch nicht von allen realisiert wurde, so wissen doch inzwischen viele Menschen, was sie tun können, um ihren persönlichen Beitrag zum Klimaschutz zu leisten:

Ein weiterer wichtiger Punkt wird häufig übersehen: Die meisten von uns haben ein Girokonto. Manche haben darüber hinaus Geld angelegt, um für zukünftige Anschaffungen zu sparen oder für das Alter vorzusorgen. Aber was machen die Banken mit dem Geld, das wir ihnen anvertrauen? Klar, sie investieren es und machen vielleicht auch Spekulationsgeschäfte damit. Das ist zunächst einmal nicht verwerflich, denn schließlich müssen die Banken auch Geld verdienen. Und solange man an sein Geld herankommt, wenn man es braucht, ist ja aus Kund:innensicht alles gut. Oder?

Mein Eye-Opener

Viele Jahre war ich Kunde einer großen deutschen Geschäftsbank. Mitte 2019 wurde ich auf einen Bericht der NGO Amazon Watch aufmerksam, Titel: “Complicity in Destruction II: How Northern Consumers and Financiers Enable Bolsonaro’s Assault on the Brazilian Amazon”. Dort war zu lesen, dass die Commerzbank, die Deutsche Bank und viele andere Geldinstitute massiv in Viehzucht und Sojaanbau in Brasilien investieren (z. B. durch Großkredite an Agrarunternehmen) und damit zur Abholzung des Regenwalds beitragen. Ich war erschüttert, wie Banken in die Zerstörung unserer Zukunft investieren. Wie bitte – das machen die mit meinem Geld!? Sofort habe ich einen Brief an das Beschwerdemanagement meiner Bank geschrieben. Wochen später erhielt ich eine beschwichtigende Antwort, in der die Bank palaverte, wie wichtig ihr doch das Thema Nachhaltigkeit sei.

Ein halbes Jahr später hatte ich meine sämtlichen Konten und Geldanlagen bei der Bank gekündigt. Seitdem habe ich weiter beobachtet, wie sich die Banken öffentlich (und in der Werbung) zu ihrer ökologischen und gesellschaftlichen Verantwortung äußern. Kurz gesagt: Sie haben auf jeden Fall erkannt, dass sie an ihrem Image arbeiten müssen. Aber haben sie auch ihr Handeln umgestellt?

Five Years Lost

Im Dezember 2020 veröffentlichte urgewald.org den Bericht “Five Years Lost – How Finance is Blowing the Paris Carbon Budget”. Der Bericht wurde von 18 NGOs gemeinsam erarbeitet. Er beschreibt zwölf der weltweit verheerendsten fossilen Projekte, die aktuell geplant werden oder bereits laufen – sowie ihre Geldgeber: Vor allem Banken und Versicherungen. Allein diese zwölf Projekte würden 75% des verbleibenden CO2-Budgets aufbrauchen, das noch für das im Pariser Klimaabkommen festgelegte 1,5°C-Ziel zur Verfügung steht. (Daher übrigens auch der Titel der Studie: “Five Years” bezieht sich auf die fünf verlorenen Jahre seit Abschluss des Pariser Abkommens.)

Und sie sind wieder alle mit dabei: Neben vielen US-amerikanischen und chinesischen Banken investieren unter Anderem die folgenden Institute Milliarden in die Zerstörung unserer Zukunft auf diesem Planeten. Vorangestellt ist jeweils die Anzahl der Nennungen in den TOP 30 der Kreditgeber bzw. Investoren (in Aktien und Anleihen):

  • 19x Deutsche Bank
  • 11x BNP Paribas (Consorsbank)
  • 11x Citigroup (Citibank)
  • 10x Barclays
  • 7x ING Group (ING DiBa)
  • 7x Santander
  • 6x UniCredit (Hypovereinsbank)
  • 5x Allianz
  • 4x Commerzbank
  • 2x DZ Bank (Zentralbank der Volks- und Raiffeisenbanken)
  • 1x Deka-Gruppe (Fondsgesellschaft der Sparkassen)

Die Anzahl der Nennungen zeigt die vielfältigen Verstrickungen der genannten Institute in die klimaschädlichen Großprojekte. Sie korreliert aber nur bedingt mit den investierten Summen. Bei der Deutschen Bank liegen diese im zweistelligen Milliardenbereich, bei der Citigroup sogar deutlich im dreistelligen (!) Milliardenbereich.

Diesmal habe ich exemplarisch Beschwerden an die Deutsche Bank, die Commerzbank und die Allianz verfasst – Antworten Fehlanzeige. Ich bin ja auch kein Kunde mehr, den es mit warmen Worten zu halten gilt.

Sind sie alle böse?

Und was ist mit öffentlich-rechtlichen Instituten wie z. B. Sparkassen? Und wie steht es um Genossenschaftsbanken wie Volks- und Raiffeisenbanken oder die Sparda-Bank? Laut utopia.de sind die Geschäftspraktiken dieser Banken nicht so schlimm wie die der o. g. privaten Geschäftsbanken. Aber dennoch: Ethisch-ökologische Kriterien spielen auch bei den Investitionen der Sparkassen und Genossenschaftsbanken nicht gerade die Hauptrolle. Man kann sich also nicht sicher sein, dass die Banken mit dem Geld nur “saubere” Geschäfte machen. Und tatsächlich tauchen mit DZ Bank und Deka-Gruppe auch Gesellschaften aus dem öffentlichen und dem genossenschaftlichen Sektor in den TOP-30-Listen auf (siehe oben).

Die Alternative: Nachhaltige Banken

Soweit alles sehr ernüchternd. Was also kann man tun, um ein gutes “grünes” Gewissen bei seinen Geldanlagen haben zu können? Zum Glück gibt es Lösungen, dazu mehr im zweiten Teil dieses Beitrags: Nachhaltige Banken – jeder Euro ist ein Stimmzettel!

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