Mit Vorhängeschloss verriegelte Tür
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Ich will da raus!

Es gibt manchmal so Tage …, die kennt vermutlich jeder von uns. Wenn es aber zur Normalität wird, Stress zu haben, nahezu durchzudrehen sowie in Verpflichtungen zu ertrinken und dabei die ganze Zeit noch gegen die Uhr zu arbeiten, dann läuft etwas unendlich schief im eigenen Leben. Gerade Berufstätige mit Kindern kennen das sicherlich nur zu gut. Da hat man am Abend noch nicht mal mehr die Kraft, noch die Spülmaschine auszuräumen oder den Wäscheberg zusammen zu legen.

Spülmaschine mit sauberem Geschirr

Vereinbarkeit von Familie & Beruf

Das habe ich genauso erlebt. Ich hatte ein in der Elternzeit aufgebautes Online-Business, dazu eine halbe Stelle im Schichtdienst beim Fernsehen (also auch hier häufig gegen die Uhr zu arbeiten). Wir Eltern mussten sehen, wie wir unsere unterschiedlichen Dienste (die 8-Stunden-Schichten lagen meist im Zeitraum zwischen 8 und 22 Uhr) mit der Kinderbetreuung (Kindergarten war bis max. 17 Uhr Uhr geöffnet) vereinbart bekamen. Der wöchentliche Erhalt des neue Dienstplans war regelrecht mit einem Stressgefühl, einer latenten Angst verbunden, dass unsere Dienste wieder nicht mit unserer Rolle als Eltern vereinbar sein würden. Was mussten wir rumtauschen, betteln und flehen, damit man uns da immer wieder aus der Patsche half … Woche für Woche. Dazu kamen dann die gelegentlich anfallenden Überstunden, da reichten manchmal schon Überminuten oder der Feierabendverkehr, um das fragile Zeitkonstrukt zum Zusammenstürzen zu bringen.

Die lieben Verpflichtungen

Zuhause wartete dann auf mich nicht nur das Kind, das nun auch endlich die volle Aufmerksamkeit seiner Eltern verdiente, nein, auch ein Haushalt, ein Garten und dazu dann noch das nebenberufliche Business. In schlimmen Zeiten (z. B. das Weihnachtsgeschäft) musste ich nach dem Feierabend im Hauptjob, wenn der Haushalt einigermaßen erledigt und das Töchterchen dann im Bett lag, noch bis in die Nacht hinein meine Online-Shop-Bestellungen fertigen oder zumindest verpacken, Rechnungen schreiben,… Das bedeutete also nicht nur, immer wieder Nachtschichten einlegen zu müssen, sondern auch, auf jede Menge Schlaf zu verzichten. Das macht einen mit der Zeit nicht nur immer schlapper, sondern lässt die vielleicht mal da gewesene Resilienz immer mehr weichen.

Keine Zeit für sich

Es ist kaum in Worte zu fassen, wie groß die Anspannung teilweise war. Wie groß das schlechte Gewissen vor meinem Ex-Mann war, wenn ich mir einfach mal ein paar Minuten nur für mich gönnen wollte. Aus diesem Schuldgefühl heraus kam es auch selten dazu. Statt ein entspannendes Bad zu nehmen, wurde eher das Badezimmer geputzt. Statt die Fingernägel zu lackieren, wurde das Unkraut gezupft. Statt mit der Freundin mal zusammen essen zu gehen, wurde das Auto gewaschen. Viele hatten Erwartungen an mich, ausgesprochene, unausgesprochene und welche, von denen ich einfach nur annahm, dass es sie gibt. Allen wollte ich gerecht werden, auch wenn es für mich Stress bedeutete.

Was lief falsch?

Ich merkte, so konnte es nicht weitergehen. Ich war irgendwie latent unglücklich, so wie es war! Und das, obwohl es uns eigentlich ziemlich gut ging, ich ein fröhlicher und optimistisches Mensch bin. Aber so wollte ich trotzdem nicht leben. Es fehlte etwas und an anderer Stelle war es viel zu viel. Ich wollte Abenteuer, ich wollte Dinge erleben, ich wollte nicht tagein tagaus nur funktionieren. Ich fing an, meinen Alltag zu analysieren. Was belastete mich besonders. Was fehlte mir? Was ließ sich ändern. Wieso hatte ich bestimmte Denkmuster? Was sind eigentlich meine persönlichen Ziele? Fragen über Fragen…

Woran lag es?

Und ich fand tatsächlich Antworten. Ich musste feststellen, dass einiger Stress ganz klar von außen kam, also von anderen Menschen oder einfach durch irgendwelche Gegebenheiten. Anderer Stress aber war tatsächlich selbst verursacht. Aus einem eigenen Perfektionismus heraus, aus dem Gefühl, irgendwelchen Bildern entsprechen zu müssen. Und an allen diesen Quellen konnte gearbeitet werden, wenn man mit einigem Abstand und einer gewissen Objektivität drauf geguckt hat.

Die Sache mit der Optimierung

Ich wollte also anfangen, mein Leben, meine Umstände zu optimieren, nicht mehr nur mich selbst. So begann ich also Stück für Stück, mein Denken und mein Verhalten zu ändern. Allein dadurch ergab sich schon eine unglaubliche Verbesserung. Ich setzte eigene Prioritäten, begann immer mehr Stressfaktoren zu eliminieren und meine persönlichen Ziele wieder anzugehen. Ich merkte, dass dieser Egoismus nicht nur mir gut tat, sondern auch eine Wirkung auf andere hatte. Zum Beispiel war ich eine deutlich bessere Mutter, jetzt, wo ich immer befreiter war. So war ich doch ein viel besseres Vorbild für mein Kind, indem ich ihm zeigte, wie wichtig es ist, sich selbst treu zu bleiben, sich nicht zu verbiegen und schon gar nicht, in Stress und Verpflichtungen zu versinken.

Manchmal muss man einfach loslassen

Der Weg war aber auch etwas schmerzhaft, weil er auch zur Folge hatte, dass mein damaliger Mann und ich uns schließlich trennten. Aber es war richtig! Für uns beide. Wir haben vermutlich auch nur deshalb noch immer ein so unglaublich tolles Verhältnis zueinander, das von tiefem Vertrauen und familiärem Teamgeist geprägt ist.

Mit den Jahren habe ich teilweise selbst entdeckt, was zu ändern ist, teilweise gab es auch Inspirationen durch Bücher oder andere Quellen. Noch immer bin ich dabei, ein für mich perfektes Leben zu gestalten, damit ich nicht irgendwann, im Sterbebett liegend, voller Reue auf mein Leben zurück blicke.

Man lebt doch nur einmal, also lasst uns das für uns PERFEKTE LEBEN leben! 

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