verzerrter Barcode - Symbolfoto für Konsum
Allgemeines,  entledigt,  entsagt,  Less Waste

Ich kauf nix!

So hieß ein Buch, das ich vor einigen Jahren mal gelesen habe. Die Autorin Nunu Kaller berichtet in diesem über ihren Konsum-Verzicht: Ein Jahr ohne neue Kleidung und Styling-Accessoires. Bei Kleidung habe ich glücklicherweise überhaupt kein Shopping-Problem, dafür – für „Klischee-Mädchen“ vielleicht eher untypisch – aber mit dem Kauf immer neuer technischer Gadgets. Was das angeht, habe ich mich nun aber schon deutlich mehr im Griff. Der umfassende Verkauf überflüssiger Dinge macht schon etwas mit einem.

Umso mehr ich mich mit den Themen Minimalismus und Frugalismus auseinandersetze, desto leichter fällt mir die Vorstellung, es der Autorin gleich zu tun, wenn auch auf generellen Konsum bezogen.

Unnötigem Konsum & Kosten den Stecker ziehen

Um nicht immer wieder diesem Haben-Muss-Gefühl zu verfallen, habe ich mich schon mal von den inspirierenden Newslettern wie Kickstarter und Indigogo abgemeldet. Die dazugehörigen Apps befinden sich auch nicht mehr auf dem Handy. Außerdem habe ich die Amazon-App vom Smartphone gelöscht. Meinen günstigen Prime-Student-Account werde ich aber noch behalten, solange ich Studentin bin, da es sich finanziell noch lohnt. Den Account habe ich mir vor einigen Jahren zugelegt, weil es darüber ein Einjahres-Abo der Adobe Creative Cloud zu einem unschlagbaren Preis gab. Das Ganze hatte sich also mehr als gerechnet. Da ich den Versandriesen aber eigentlich nicht mehr unterstützen und eben generell nicht unnötig konsumieren möchte, werde ich die Bestellungen dort nahezu auf Null fahren.

Abos kündigen

Weil es so praktisch und anfangs ziemlich günstig war, habe ich mich irgendwann auch dazu verleiten lassen, einen Audible-Vertrag abzuschließen (als Student gab es diesen ein halbes Jahr lang zum halben Preis). Aus Zeitmangel habe ich statt Bücher meist Hörbücher konsumiert, die man gut bei der Hausarbeit o.ä. hören kann. Zwischendurch kam ich aber nicht mal dazu, sodass sich schließlich 13 teure Guthaben angesammelt hatten. Daher wollte ich das Ganze damals schon kündigen. Weil ich dann jedoch die Guthaben verloren hätte, habe es erstmal gelassen. Während des großen, von Hörbüchern begleiteten Ausmistens konnte ich meine Guthaben auf zwei reduzieren. Diese habe ich nun in zwei Hörbücher umgewandelt. Damit konnte ich heute auch die monatlichen Kosten von 9,95 € (fast 120 € im Jahr!) mit einer Kündigung endlich beenden. Die bereits erworbenen Hörbücher bleiben erhalten. Stattdessen werde ich nun vermehrt Podcasts hören oder über die Onleihe geliehene bzw. einfach gekaufte Hörbücher.

Brauche ich es wirklich?

Diese Frage sollte man sich nicht nur beim Ausmisten, sondern auch bei einer Kaufabsicht oder beim Buchen irgendwelcher (Software-)Abos immer stellen. Damit kann man verhindern, sich zu Impulskäufen verleiten zu lassen. Diese bringen einen nur dazu, zu viel Geld auszugeben und doch wieder Unnötiges anzusammeln. Für diesen Monat habe ich mir schon mal vorgenommen, nichts anzuschaffen. Ich habe doch alles, was ich brauche.
Leider musste ich dieses Vorhaben nach wenigen Tagen doch leicht einschränken, indem ich einen Einwand hinzufügte: „ … es sei denn, es ist wirklich wichtig!“

Anbindung einer iPad-Schutzfolie

Die Einschränkung kam, nachdem ich leider feststellen musste, dass der Bildschirm meines iPads einen Riss bekommen hatte (keine Ahnung wieso, runtergefallen ist es nicht). Eine Reparatur scheint mir zu teuer, zumal es noch funktioniert. Um aber zu verhindern, dass Feuchtigkeit eindringt oder sich der Riss vergrößert, habe ich eine Glasschutzfolie besorgt.
Auch meine farbigen Druckerpatronen sind alle. Hier muss ich leider ebenfalls für Ersatz sorgen. Ich zögere das jedoch erstmal hinaus, indem nun zeitweise nur noch schwarz-weiß gedruckt wird.

weniger Konsum: Drucker in einem sonst leeren Regal

Gebraucht geht auch!

Ich weiß, immer geht es nicht. Aber die Frage, ob der Gegenstand, wenn man ihn denn wirklich benötigt, nicht auch Second Hand zu erwerben ist, bietet sich aus unterschiedlichen Gründen an.

  • Preisersparnis
  • Müllvermeidung
  • Energiesparen

Ich besaß einige Dinge, die ich gebraucht gekauft und ebenfalls nach einigen Jahren der Benutzung häufig zu einem ähnlichen Preis wieder verkaufen konnte. Die Nutzung erfolgte also quasi ohne oder mit nur geringem Wertverlust.

Konsum-Entzug

Ganz ohne das Eine oder Andere zu kaufen, wird es wohl nicht gehen. Dafür ist bei uns auch gerade zu viel im Umbruch, wobei wir eher loswerden als anschaffen. Ich habe sehr, sehr viele Dinge verkauft, gespendet bzw. verschenkt oder schlicht weggeworfen. Für einige wenige Teile wurde ein Ersatz benötigt, der neuen Anforderungen gerecht wird. Hier habe ich aber auch aufs Selbermachen gesetzt. Nun habe ich einen Stand, den ich als schon sehr weit beschreiben würde. Daher kann ich den Versuch wagen, den Rest des Monats nichts mehr zu kaufen, sondern eher zu gucken, was doch noch so weg kann.

Anschaffungen vertagen

Ein schöner Trick, sich vor Spontankäufen zu schützen, ist, sich die geplante Anschaffung auf eine Art Wunschzettel zu schreiben. Man kann sich dann eine bestimmte Zeitspanne vornehmen, die vergehen muss, bis man sich nochmal über einen Kauf dieses Teils Gedanken macht. Häufig merkt man dann, dass man den Gegenstand doch nicht braucht. Bei teuren Wünschen könnte man die Zeit auch nutzen, Geld speziell dafür zurück zu legen, um nicht womöglich noch auf Pump kaufen zu müssen. Ich überlege, die Probezeit auch abhängig vom Preis zu machen. Zum Beispiel so:

  • < 10 €: 3 Tage
  • < 20 €: 1 Woche
  • < 50 €: 2 Wochen
  • < 100 €: 1 Monat
  • > 100 €: 6 Wochen und mehr

Vorfreude statt Konsum

Das hat auch einen schönen Nebeneffekt: Ist der feste Entschluss getroffen, das Wunschteil zu kaufen, weil man es braucht oder es einem etwas bedeutet, kann man sich bis zum Ablauf der Wartezeit richtig drauf freuen.
Das ist jetzt auch mein Plan: Im Keller und Dachboden bin ich nun auch dabei, Minimalismus-Maßstäbe anzusetzen und ganz viel loswerden zu wollen. Um auch hier Raum zu gewinnen, möchte ich gerne jeweils ein kleines Regal haben, das es ermöglicht, die noch übrig gebliebenen Kartons oder deren Inhalt (z.B. Ordner) ordentlich und praktisch in die Höhe, statt in die Breite zu bringen. So kommt man auch deutlich besser an den Inhalt und kann diesen regelmäßig in Bezug auf die weitere Aufbewahrungsnotwendigkeit hin überprüfen. Nebenbei bekämen wir im Keller sogar richtig Platz für die Fahrräder und man könnte sich auch hier über Ordnung freuen.

To be continued…

Diese Regale werde ich, gerne auch gebraucht, erst im nächsten Monat kaufen. Bis dahin kann ich schon mal alles vorbereiten, also noch weiter ausmisten, umorganisieren usw. Wer weiß, vielleicht sind die Kartons dann alle weg und die Regale am Ende sogar nicht mehr nötig!? Im nächsten Monat kann ich mich dann über einen neuen und luftigeren Keller und Dachboden freuen.

2 Kommentare

  • Thomas Spranger und Maria Beege

    Wir finden, das ist eine großartige Idee, das eigene Leben mit möglichst wenig Konsum zu verbringen. Wir versuchen in unserer Familie, auch mehr und mehr diesen Minimalismus und die Nachhaltigkeit in der Haushaltsführung und Lebensgestaltung umzusetzen. Zu Beginn ist das gar nicht so einfach. Die ersten Herausforderungen bestehen darin, zu unterscheiden, was man wirklich braucht und auf was man verzichten kann. Sich von liebgewonnenen Dingen und Gewohnheiten zu trennen war bei uns ein längerer Prozess. Aber letztendlich war das nötig, um auf das Wesentliche zu kommen.
    Wir stellen unseren Einkauf um, damit wir möglichst wenig Verpackungsmaterial wegschmeißen mussten. Das allein brachte uns bis heute mehr kreative Lebenszeit ein. Denn die Müllentsorgung ist ein großer Zeitaufwand. Zum Glück gibt es jetzt auch in unserer Umgebung einen Laden, der viele Lebensmittel lose verkauft. Wir hoffen, dass möglichst viele Menschen diese Art des Einkaufs annehmen.
    Viele Menschen in unserer Umgebung finden es ganz toll, was wir machen. Allerdings schaffen es die wenigsten, die eigenen Einkaufs- oder Lebensgewohnheiten dauerhaft umzustellen. Es braucht schon etwas Durchhaltevermögen und den Willen zur echten Veränderung. Auf alle Fälle haben wir nicht das Gefühl, dass uns etwas abgeht. Es ist für uns immer wieder eine sportliche Herausforderung, mit so wenig wie möglich auszukommen.
    Vor einigen Jahren gab es den Slogan „Simplify your life“. Das geht schon in die richtige Richtung. Es lebt sich einfach unbeschwerter, wenn man nicht so viele Dinge in der Wohnung oder im Keller ansammelt. Seltsamerweise hat das wirklich eine Auswirkung auf das eigene Lebensgefühl. Es fühlt sich viel leichter an, weniger zu besitzen und weniger in der Wohnung herumstehen zu haben.
    Es bleibt mehr Zeit – wie Ihr richtig betont – herauszufinden, was wirklich wichtig im Leben ist. Der Konsum an sich kann keinen Lebenssinn ergeben. Der Faktor Zeit steht bei uns im Mittelpunkt. Es macht Freude, als Familie viel Zeit miteinander zu verbringen.

    • Nicole Grieve

      Hey, vielen Dank für Euren tollen Kommentar. Ganz genau, die Auswirkungen auf das eigene Lebensgefühl ist enorm. Das hätte ich gar nicht so krass erwartet. Ich muss auch feststellen, dass sich der Reiz, immer wieder „das Neuste“ anschaffen zu müssen, überhaupt einkaufen zu wollen, immer mehr verflüchtigt. Im Moment ist es jetzt nicht so, dass ich gar nichts mehr kaufe. Aber wenn ich es tue, dann meist gebraucht. Ich versuche ja, nur noch Dinge zu besitzen, die ich brauche oder die mich glücklich machen. Es gibt aber hier und da auch Dinge, die ich brauche, die mich aber ständig stressen oder mir ein ungutes Gefühl verschaffen (z. B. weil sie nicht mehr richtig funktionieren). Da habe ich nun entschieden, dass ich diese Dinge ersetze (und wenn möglich weiterverkaufe). Da ich ja meist gebraucht kaufe, wirkt das dann eher wie ein Tausch. 😉
      Was ich nochmal ganz interessant fände, wäre eine richtige „Ich-Kauf-Nix-Challenge“, die auf eine bestimmte Zeit begrenzt ist. So etwas könnte ich mir für das neue Jahr mal vorstellen. Diese, wie Ihr schreibt, sportliche Herausforderung macht ja auch erfinderisch und das bringt bestimmt auch Spaß.
      Ich bleibe jedenfalls dran und werde beizeiten davon berichten.
      Alles Liebe,
      Nicole

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