leere Kleiderbügel
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Hausstauballergie – was nun?

Ich bin Allergikerin, schon so lange ich denken kann. Anders, als die Überschrift vermuten lässt, ist bei mir damals keine Hausstauballergie diagnostiziert worden, sondern eine gegen Kleintierhaare. Bei mir schlägt der Kontakt zu handlichen Tieren wie z. B. Hamster oder Meerschweinchen, aber auch zu Vögeln (bzw. ihren Federn, also auch Daunen) sofort auf die Lunge. Ich bekomme dann schlicht von einer Sekunde auf die andere keine Luft mehr: Asthma. Diese Diagnose bekam ich als Erstklässlerin seinerzeit vom Arzt. Gleich darauf wurden meine Hamster weggegeben. Außerdem mussten wir umziehen. Der Arzt meinte, unser Kohleofen sei meiner Lungengesundheit auch nicht besonders zuträglich.
Seit etwas mehr als 35 Jahren lebe ich an sich ganz gut trotz dieser Einschränkung. Ich muss mich ja nicht in der Nähe dieser Tiere aufhalten. Auch Daunen in Bettzeug oder Winterjacke lassen sich heutzutage glücklicherweise durch Polyesterfüllungen o. ä. ersetzen. Asthmaanfälle hatte ich dann nur noch sehr selten, höchstens mal, wenn ich mich versehentlich in der Nähe solcher Tiere aufhielt. Das passierte zum Beispiel, als ich in einem Gartencenter mit einem Paket Blumenerde an der Kasse stand. Ich spürte plötzlich eine Atemnot und mit ihr eine Panik in mir aufsteigen. Sie hatten dort auch eine kleine Zooabteilung, von der ich aber nichts wusste. An der frischen Luft ging es mir dann aber schnell wieder besser.

Ich habe die Nase voll!

Insgesamt blieb es in der Regel jedoch eher bei leichteren Beeinträchtigungen, da ich ja darauf eingestellt war. Was mir aber seit vielen, vielen Jahren wirklich zu schaffen macht, ist die Tatsache, dass ich quasi immer einen leichten Schnupfen habe. Mein Konsum an Salzwasser-Nasensprays ist wirklich schon pervers hoch. Am liebsten würde ich sogar nur die abschwellenden Sprays verwenden, weil die als einziges wirklich helfen. Aber ich will mir meine Schleimhaut ja nicht völlig zerstören, daher versuche ich, die Beschwerden durch Nasenduschen und Solesprays zu mindern. Vor einigen Jahren hatte ich beim Arzt schon mal die Vermutung geäußert, dass vielleicht eine Hausstauballergie Ursache dafür sein könnte. Nach einem Test hatte er das aber verneint und die Symptome als nicht verfolgenswert abgetan. Er hat ja auch nicht diesen ewigen, nicht endenden Schnupfen!
Natürlich habe ich auch immer mal wieder Dr. Google befragt, woran es liegen könnte, dass meine Nase nahezu IMMER verstopft ist. Die Online-Diagnosen fielen unterschiedlich aus. Nachdem es ja dem Arzt nach keine Hausstauballergie sein konnte, hatte ich mich schon langsam mit der Tatsache abgefunden, dass man wohl meine Nasenscheidewand operieren muss.

Hautkrebsvorsorge

Vor wenigen Tagen kam dann der Wendepunkt:
Ich bin gerade dabei, einige der immer mal wieder anstehenden Vorsorgeuntersuchungen abzuhaken (Frauenarzt, Zahnarzt, Ü40-Check-Up, …). Also machte ich auch einen Termin beim Hautarzt. Dieser fragte mich nach meinen Allergien und als ich ihm diese nannte und auf seine Nachfrage hin mitteilte, dass ich kein Asthma-Spray bei mir trage, weil ich nur wirklich selten Anfälle habe, reagierte er leicht besorgt. Er schlug vor, nach all den Jahren mal einen neuen Allergietest zu machen. Dann könne er mir gezielt einen Wirkstoff verschreiben, den ich in Form eines Asthma-Sprays immer bei mir tragen soll.

Dieser Test fand letzte Woche statt.

Die junge Dame, die mir den Pricktest auf den Rücken applizierte, stieß nach etwa 20 Minuten Wartezeit plötzlich ein „Dachte ich`s mir doch!“ aus.
Ich, etwas überrascht, fragte natürlich nach. Der Test hatte nur auf zwei Dinge reagiert: Hausstaub- und Vorratsmilbe. Sie erklärte mir dann, dass es sich bei ihr genauso verhalte. Sie habe ebenfalls eine Hausstauballergie, würde aber auch auf Kleintiere und Federn reagieren – vermutlich aber eher auf die Milben im Streu und/oder Futter. Ein weiterer Test, eine Blutuntersuchung, soll das Ergebnis nochmal präzisieren. In ein paar Wochen weiß ich also, ob ich noch weitere Allergien habe.

Auf Staubwischen reagiere ich allergisch

Personen mit einer Hausstauballergie haben immer besonders großes Mitgefühl von mir erhalten, weil es sich doch um eine echt fiese Allergie handelt, der man ganzjährig nicht so wirklich ausweichen kann.

Tja, nun kann ich mich selbst bemitleiden … oder einfach aktiv werden! Ehrlich gesagt war ich sogar eher beruhigt, als ich es erfuhr. Jetzt weiß ich wenigstens, was mit mir nicht stimmt, warum ich eine chronisch verstopfte Nase, immer wieder ein leicht belegtes Gefühl in den Bronchien habe. Und wer seinen Feind kennt, kann ihn bekämpfen oder zumindest in Schach halten.
Gott sei Dank bietet das Internet unglaublich viele Tipps und Aufklärungsartikel zum Thema Milben, bzw. Milbenkot – das eigentliche Übel. Entsprechend weiß ich nun, was ich zu tun hab, um es den kleinen Spinnentieren deutlich ungemütlicher zu machen: Häufiges Lüften und Wäschewaschen, Encasings (milbenundurchlässige Bezüge), deutlich mehr Saugen mit einem Staubsauger mit HEPA-Filter, Matratzenwechsel usw.

Minimalismus vs. Hausstauballergie

Glücklicherweise hatte es das Schicksal schon eingeleitet: Ich war ja eh gerade dabei, so richtig auszumisten, meinem Traum von einer minimalistischen Wohnung Schritt für Schritt näher zu kommen. Im Wohnzimmer war mir das schon früher einigermaßen geglückt, im kombinierten Schlaf- und Arbeitszimmer dagegen noch nicht so wirklich. Der #stayathome-Urlaub hatte das nun schon ein wenig geändert: Ich habe mich von richtig vielen Dingen getrennt. Dabei konnte ich mehr verkaufen als erwartet, unheimlich viel verschenken oder spenden. Ich habe das Ganze aber nicht als einmalige Sache verstanden, sondern als Auftakt, nun immer wieder Kram auszumisten, der mir nichts bedeutet oder nicht benutzt wird. Umso weniger sammelt sich Staub an. Umso leichter lässt sich alles sauber halten.
Beim ersten Rutsch konnte ich schon einen von zwei Schränken im Schlafzimmer abbauen. Da ich meinem Partner für seine Zeit bei mir aber trotzdem Platz im Schrank machen wollte, habe ich die Bettwäsche sowie Besucherkissen und jahreszeitlich wechselnde Inletts in meine Unterbettschubladen umgezogen. Vorher hatte ich deren alten Inhalte größtenteils entsorgt oder verkauft. Für meine Kleider wurde vorübergehend ein etwas wackeliger Kleiderständer aus dem Keller reaktiviert und an den nun freigewordenen Platz gestellt. Hier hatte ich mir bei Pinterest schon tolle Inspirationen geholt, wie ich das nun bald auch in chic gestalten kann.

Kleidung auf einfacher Kleiderstange

Milben zwingen zur Planänderung

Nun ja, dieser Plan musste nun kurzfristig wieder über den Haufen geworfen werden – zum Glück noch rechtzeitig, bevor ich ihn in die Tat umsetzen konnte. Ich musste leider erfahren, dass man bei Hausstauballergie keine Kleidung offen im (Schlaf-) Raum hängen lassen, sondern diese in einem Schrank verstauen sollte. Außerdem wird empfohlen, die Matratze (häufiger als sonst ganz auszutauschen und) dringend von allen Seiten Luft dran kommen zu lassen. Deshalb wird auch von Bettkästen o. ä. stark abgeraten! Vorhänge sind auch keine sooooooooo gute Idee. Wenn man sie aber hat, sollten sie regelmäßig bei mind. 60° C gewaschen werden. Das gilt für so ziemlich alle Textilien (vor allem im Schlafbereich).
Das mit dem Vorhang ist, ehrlich gesagt, ein super Stichwort. Ich fühle mich nun ein wenig dazu animiert, meinen – nach 3 Jahren(!!!) – doch mal abzunehmen und zu waschen. Das hatte ich schon längst vor gehabt, weil der Vorhang etwa einen halben Meter zu lang ist. Die Stoffmenge wischt immer staubsammelnd und -aufwirbelnd den Holzboden entlang, wenn ich das Fenster auf- oder zuziehe. Das Staubsaugen an der Fenster- (und damit meiner Bett-) Seite bringt entsprechend auch wenig Spaß, weshalb das auch gelegentlich mal ausbleibt (hüstel).
Er soll nun also gekürzt werden. Baumwollstoff sollte aber unbedingt vor dem Kürzen gewaschen werden, da er während der ersten Wäsche noch gut 10 % einlaufen kann. Davor habe ich mich die letzten Jahre aber immer irgendwie gedrückt.

Die nächste Runde

Kaum an den Status des letzten Ausmisten gewöhnt, zwingt mich die Hausstauballergie-Diagnose nun gleich wieder aktiv zu werden. Als erstes sind die vier Schubladen unter dem Bett dran. Als sie leer sind, werden sie bei Ebay-Kleinanzeigen und nebenan.de eingestellt. Ihren Inhalt organisiere ich wieder um bzw. reduziere ihn nochmal. Ohne den Vorhang, der nach der Wäsche zeitweise draußen auf der Leine hängt, damit er hoffentlich bis zum Abend gleich wieder trocken ist, sieht es im Schlafzimmer aus, als wäre ich gerade eingezogen. Der helle und freie Anblick gefällt mir sehr gut. Nachdem ich einige Stunden später stolz den nun frisch gewaschenen und endlich gekürzten Vorhang wieder aufgehängt habe, falle ich müde ins Bett. Ich war aber auch sehr fleißig, hatte ich doch nebenbei auch noch die ganze Wohnung gesaugt und das Sofa und den davor liegenden Teppich im Wohnzimmer mit einem entsprechenden Gerät gereinigt, um hier die Milben und deren Kot aus den Fasern zu waschen. Ihr wollt nicht wissen, wie das Wasser danach aussah! Mein Blick fällt sorgenvoll auf den Kleiderständer. Für den Folgetag hatte ich mir eigentlich vorgenommen, ein paar Dinge im Baumarkt zu besorgen, um kostengünstig eine schönere offene Stangen-Lösung zu bauen und nun muss aufgrund der Hausstauballergie die Kleidung doch wieder hinter Türen verschwinden?

Aus der Not eine Tugend machen

Als ich dann in meinen Kleiderschrank gucke, der trotz des frisch dazu gekommenen Bettzeugs aus den Unterbett-Schubladen noch immer recht luftig wirkt, kommt mir die Idee:
Ich könnte meine Kleidung noch mehr nach der KonMari-Methode verstauen. Vor einiger Zeit hatte ich im Netz schon eine sehr platzsparende Falttechnik von der Chinesin Dan Wu kennengelernt und seitdem für meine T-Shirts und Hosen umgesetzt. T-Shirts, Socken und Sportsachen liegen bei mir bereits hochkant in Schubladen oder Boxen, die anderen Dinge noch nicht. In dem Zusammenhang fällt mir ein, dass ich irgendwo mal gelesen hatte, dass hängende Kleidung am meisten Platz verbrauche. Man könne sie ordentlich zusammengelegt auch platzsparend in Schubladen oder Schränken aufbewahren. Nun ja, Ihr ahnt, worauf es hinaus laufen wird: Der Ständer kommt weg. Die Teile auf dem Ständer (hier handelt es sich um eine Bluse, Blazer/Anzüge, die nach dem ersten Aussortieren noch auf Bewährung sind, und meine Kleider) müssen geschickt gefaltet in den Schrank oder aber endgültig weg!
Nur die Abendkleider dürfen in der Schutzhülle am Haken an der Schrankaussenseite hängen bleiben, zumindest erstmal.

Ich brauche Boxen

Falls das alles im Schrank doch zu voll werden sollte (ich liebe ja gerade den luftig-leichten geordneten Anblick), wird einfach das schlaue Konzept der Capsule Wardrobe Anwendung finden. Ansonsten würde ich mich mit dem interessanten Thema später mal näher befassen, eins nach dem anderen…

Am liebsten hätte ich für meinen nur 30 cm tiefen Ikea-Pax-Schrank eine weitere Schublade. Bei Ebay-Kleinanzeigen bin ich leider so spontan nicht fündig geworden. Neu möchte ich aber keine kaufen, weil ich meinen Konsum ja bewusst zurückschrauben will. In Anbetracht der erforderlichen Käufe im Zusammenhang mit der Milben-Vermeidung-Strategie hat das ja leider schon einen kleinen Dämpfer erfahren. Auch Schuhkartons, die ja bereits – mit Mehlkleister und Zeitungspapier verstärkt – im Schrank-Einsatz sind, habe ich keine mehr übrig. In den letzten habe ich einige Verkäufe verschickt.

Rolle mit SnapPap-Material


Plötzlich fällt mir ein: Vor vielen Jahren hatte ich mal coole Boxen aus SnapPap-Material (auch Waschpapier oder veganes Leder) in einem Design-Shop entdeckt. Die waren vergleichsweise teuer, dafür, dass man die auch ganz leicht selber machen könnte. Also habe ich mir dieses Material als Meterware bestellt, um die Boxen nachzunähen. Die Lieferung kam und ich habe die Rollen voller Vorfreude zur Seite gepackt. Inzwischen habe ich sie auch schon einmal umgezogen. In der neuen Wohnung landeten sie wieder für einige Jahre erstmal in der Ecke, und da stehen sie noch immer: Neben dem Kleiderständer, der ja nun weg muss!
Als sollte es so sein: DARAUS nähe ich die Kleidungsaufbewahrung und werde im gleichen Atemzug einen weiteren Staubfänger los. YEAH!

Es ist vollbracht!

Den ganzen Nachmittag und Abend schneide ich also zu, nähe, falte, verstaue. Dazu passend begleitet mich das inspirierende Hörbuch „Mein Leben in drei Kisten“, die autobiografische Geschichte der Autorin Anne Weiss.

Weiße Boxen aus stabilem Waschleder, die mit gleichmäßig gefalteten Kleidungsstücken gefüllt sind.

Ich bin angenehm überrascht, wie platzsparend sich die Kleidung von der Stange im Schrank verstauen lässt. Dabei habe ich die Blazer nicht mal einer geschickten Falttechnik unterzogen, sondern nur einmal über die Mitte gelegt.

Kleiderschrank mit Boxen

Nun habe ich die ersten Sanierungsmaßnahmen meines Schlafzimmers, die aufgrund der Hausstauballergie notwendig wurden, abgehakt oder zumindest angestoßen. Das Bett ist untenrum frei, der Vorhang frisch gewaschen und nach dem Kürzen nicht mehr so staubaufwirbelnd. Die Encasings und eine allergiefreundliche Matratze sind bestellt, die gesamte Kleidung schon mal staubreduzierend untergebracht. Mit dem Wegfall der Kleiderstange ist wieder neuer Raum entstanden. Mein Traum ist ja schon länger, eine kleine (gebrauchte) Sprossenwand zu haben, um daran täglich Übungen wie Klimmzüge & Co. zu machen. Ach, mal gucken …

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