Gegen die Papierflut: Symbolbild "Keine Werbung"
Less Waste

Gegen die Papierflut

Alle reden vom Plastikmüll. Das ist gut und wichtig. Deutlich weniger Aufsehen erregt die massive Verschwendung von Papier. Dabei ist sie eigentlich unübersehbar, wenn man einmal bewusst darauf achtet.

Unerwünschte Werbung im Briefkasten – wer kennt das nicht? Prospekte, Flyer, Anzeigenblätter – Woche für Woche. Dieser lästige Anachronismus wird vor allem durch unsere eigene Gewohnheit und Trägheit am Leben gehalten („War schon immer so.“). Dabei können wir alle ohne großen Aufwand etwas gegen die Papierflut tun – indem wir bewusster hinschauen und unser Verhalten ein bisschen ändern.

Papiermüll im Briefkasten

Die Non-Profit-Initiative Letzte Werbung hat ausgerechnet, dass jeder Haushalt in Deutschland jedes Jahr ca. 33 kg (!) an nicht-adressierter Werbepost im Jahr bekommt. Das ergebe insgesamt 1,1 Millionen Tonnen Papier pro Jahr, von denen 90% ungelesen im Altpapier lande. Für die Produktion dieser Papiermenge seien 14 Milliarden Liter Wasser erforderlich. Hinzu komme ein jährlicher CO2-Ausstoß von ca. 1 Million Tonnen. Hierfür werden Wälder abgeholzt oder Forstplantagen betrieben – beides auf Kosten der Artenvielfalt. Von den Transportemissionen ganz zu schweigen. Was für ein Irrsinn.

Ein weiteres Problem ist, dass Werbeprospekte oft gebündelt in Plastikfolie eingeschweißt sind. Und viele machen sich nicht einmal die Mühe, diese zu entfernen, bevor sie die Prospekte ins Altpapier geben. Hallo!? Kann es vielleicht sein, dass die Papierrecycling-Maschinen kein Plastik vertragen?? Und so oder so ist auch das Recycling von Altpapier ressourcenintensiv (Strom, Wasser, …). Recycling ist gut, Vermeidung ist (viel) besser.

Selbsttest: Brauche ich wirklich Print-Werbung?

Wer Prospekte und Werbeanzeigen toll findet – warum auch immer – möge doch bitte überlegen, ob diese unbedingt auf Papier gedruckt sein müssen. Viele Prospekte und Anzeigenblätter sind auch im Internet abrufbar, zum Teil mit komfortablen Suchfunktionen, um schnell das ersehnte Schnäppchen zu finden. Außerdem gibt es inzwischen diverse Apps, um Prospekte auf dem Smartphone durchzublättern. Einfach mal „Prospekte“ im App Store eures Vertrauens eingeben.

Wer sich nicht für Werbung dieser Art interessiert, aber dennoch keinen Aufkleber auf dem Briefkasten hat, möge sich noch einmal die oben genannten Zahlen vor Augen führen. Muss das wirklich sein? Ist es denn so aufwändig, sich einen „STOP – keine Werbung!“-Sticker zu besorgen? Diese gibt es für kleines Geld zu kaufen, z. B. im Baumarkt und in diversen Webshops. Nehmt am besten einen Aufkleber, der sich ausdrücklich auch gegen kostenlose Zeitungen ausspricht. Manche Zusteller*innen machen offenbar einen Unterschied zwischen Werbung und Gratiszeitungen…

Die Initiative Letzte Werbung setzt sich übrigens dafür ein, dass jeder Haushalt in Deutschland einen kostenlosen „Keine Werbung“-Sticker bekommt – eine tolle Idee! Im Kleinen könnt ihr auf ähnliche Weise aktiv werden: Kauft doch einfach ein paar mehr Aufkleber und verteilt sie großherzig an eure Nachbarn! Ein kleiner Schritt, der – wenn viele mitmachen – Millionen Bäume jedes Jahr retten kann.

Zusätzlich zur nicht-adressierten Werbung gibt es ja noch die Broschüren und Prospekte, die direkt an euch adressiert sind, weil die Absenderunternehmen – woher auch immer – eure Anschrift kennen. Wenn ihr auch diese Werbung loswerden wollt, könnt ihr euch auf die sog. Robinsonliste setzen lassen, dann ist endlich wieder mehr Luft in eurem Briefkasten.

Weitere Tipps zum Umgang mit Papier und zur Papiervermeidung findet ihr z. B. beim Umweltbundesamt.

Gegen die Papierflut: Symbolbild ProspektstapelPapierflut – auch jenseits der Printwerbung ein Problem

Nicht nur im eigenen Briefkasten gilt es, gegen zu Papierflut zu kämpfen. Hier zwei weitere Beispiele für Bereiche, in denen viel mehr Papier hergestellt und verbraucht wird als nötig:

Beispiel Zeitschriftenhandel
In jedem Supermarkt stehen sie – Regale voll mit Zeitschriften. Selten verschwendet man daran auch nur einen Gedanken. Aber werden die eigentlich alle verkauft? Natürlich nicht. Und was passiert mit denen, die im Regal liegen bleiben? Nun ja, die gehen als Remittenden zurück an die Verlage. Einige Exemplare landen später vielleicht per Lesezirkel in Wartezimmern von Arztpraxen und in Friseursalons, manche werden für Nachbestellungen zurückgehalten. Und der ganze Rest wird eingestampft – ungelesen.

Beispiel Job
Was wird nicht alles ausgedruckt – E-Mails (OMG!), Richtlinien, Dokumentationen, Formulare. Letztere füllt man vielleicht noch am Rechner aus, aber da nach wie vor oft nur die händische Unterschrift zählt, wirft man dann doch den Drucker an. An anderer Stelle werden die Formulareinträge wieder abgetippt. Medienbrüche ohne Ende, die 90er lassen grüßen. Hinzu kommen Unmengen von Broschüren, Zeitungen von Berufsverbänden usw., die dem Unternehmen / der Einrichtung zugeschickt werden. In meinem Artikel „Die Grüne Hochschule – eine Checkliste“ habe ich z. B. davon berichtet, wie Hochschulen mit verschiedensten Printprodukten zugeballert werden, von denen nur ein geringer Teil tatsächlich gelesen wird.

Weniger ist mehr

Die Erzeugung, Verteilung, Entsorgung und ggf. Wiederaufbereitung von Papiererzeugnissen belastet nicht nur die Umwelt und kostet wertvolle Ressourcen. Papier belastet auch seine*n Besitzer*in. Es liegt rum, nimmt Platz weg, staubt voll. Eventuell nimmt man sich vor, irgendwann mal reinzuschauen, schafft es dann aber doch nicht. Es gibt ja so viel anderes zu tun. Und es kommt immer was nach.

Also befreit euch von der Papierlast, in eurem Briefkasten, auf dem Küchentisch und am Arbeitsplatz.

Free your desk and free your mind.

Minimalismus befreit, schafft Platz zum Atmen und Spielraum für neue Gedanken. Und bei so etwas Überflüssigem wie unerwünschter Printwerbung ist es wirklich nicht schwer, mehr Minimalismus zu leben.

ein Kommentar

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Durch die weitere Nutzung der Seite stimmst du der Verwendung von Cookies zu. Weitere Informationen

Die Cookie-Einstellungen deines Browsers sind für diese Website auf "Cookies zulassen" gesetzt, um das beste Surf-Erlebnis zu ermöglichen. Wenn du diese Website ohne Änderung der Cookie-Einstellungen verwendest oder auf "Akzeptieren" klickst, erklärst du dich damit einverstanden. Für Details siehe unsere Datenschutzerklärung.

Schließen