Joghurt-Dilemma: Glas+Tierisch vs. Plastik+Vegan
Küche,  Zero Waste

Das Joghurt-Dilemma

Bis vor einigen Jahren habe ich fleißig Fruchtjoghurt aus Plastikbechern gelöffelt. Irgendwann war ich es leid, so viel Plastikmüll zu produzieren und so viel zuckerhaltiges Zeug zu essen. Daraufhin bin ich auf Bio-Naturjoghurt in 500g-Pfandgläsern umgestiegen. So weit, so gut. Inzwischen sind mir aber immer mehr Zweifel gekommen, ob das tatsächlich der Weisheit letzter Schluss ist.

Kann man bedenkenlos Milchprodukte konsumieren?

Nein, leider nicht. Aus verschiedenen Gründen ist der Konsum von Milchprodukten kritisch:

  • Da ist zum einen die Öko-Bilanz der Milchviehhaltung: Das beim Pupsen und Rülpsen von Kühen ausgestoßene Methan ist um ein Vielfaches klimaschädlicher als CO2. Es wird außerdem freigesetzt, wenn Gülle aus Kuhmist auf den Feldern ausgebracht wird. Nicht zu vernachlässigen ist außerdem der Wasserbedarf von Kühen. Jede Kuh trinkt pro Tag auf der Weide bis zu 40 l und im Stall (bei Trockenfutter) bis zu 80 l Wasser.
  • Dann der Tierschutz-Aspekt: Auch Milch aus biologischer Landwirtschaft stammt nicht von glücklichen Kühen. Um ihre Funktion als „Milchmaschinen“ erfüllen zu können, werden Milchkühe jährlich künstlich geschwängert. Sonst würden sie – wie jedes andere Säugetier auch – gar keine Milch geben. Hinzu kommt, dass die Kälber schon kurz nach der Geburt von ihren Muttertieren getrennt werden, was alles andere als artgerecht ist. Letztlich trinken wir Menschen also den Kälbern die Milch weg. Das muss man sich immer wieder klarmachen.
  • Und schließlich sind da die mit dem Milchkonsum verbundenen Gesundheitsrisiken: Das von der Werbung forcierte Image von Milch als Calciumlieferant ist inzwischen stark angekratzt. Verschiedene Studien legen nahe, dass Milchprodukte den Knochen eher Calcium entziehen. Frauen sollen dadurch einem erhöhten Risiko ausgesetzt sein, an Osteoporose zu erkranken. Bei Männern gelten Milchprodukte inzwischen als Risikofaktor für Prostatakrebs. Hinzu kommen die verbreiteten Unverträglichkeiten (Laktose-Intoleranz) sowie ein gewisses Allergie-Potenzial.

Wer sich näher mit diesem Thema befassen möchte, kann sich die NDR-Dokumentation „Die Milchlüge“ ansehen – schon einige Jahre alt, aber immer noch aktuell.

Vegane Joghurt-Alternativen im Glas – Fehlanzeige

Also bin ich erneut umgeschwenkt und auf vegane (Bio-)Joghurt-Alternativen gekommen. Cool, endlich ohne schlechtes Gewissen schlemmen, Problem gelöst. Oder? Nein, leider doch nicht: Pflanzliche Joghurt-Alternativen gibt es derzeit ausschließlich in Plastikbechern. Es handelt sich zwar meist um nur dünnes Plastik mit Pappe drum herum – aber: es ist und bleibt Plastik, mit all seinen Nachteilen für die Umwelt – inklusive für den Menschen selbst.

In den letzten Monaten hat die Plastikkatastrophe endlich eine breite Öffentlichkeit erreicht: Die Plastikverschmutzung der Weltmeere, niedrige Recycling-Quoten, Gesundheitsrisiken durch Mikroplastik. All das lässt nur einen Schluss zu:

Wir müssen uns von Plastik als Einweg-Verpackungsmaterial verabschieden – schnell und konsequent.

Echtes Plastik-Recycling ist eine Illusion. Gerät Plastik in die Umwelt, dauert es Jahrhunderte, bis es zerfällt. Und wird es als Mikroplastik mit der Nahrung aufgenommen, lagert es sich im Organismus ab. Welche Folgen das für die Gesundheit von Mensch und Tier hat, ist heute noch unabsehbar.

Die Zukunft liegt also in der konsequenten Müllvermeidung bzw. in der Entwicklung nachhaltiger Verpackungen.

Joghurt-Dilemma - Symbolbild: Joghurt in Glasschale mit Müsli

Was sagen die Hersteller?

Wir haben mehrere Hersteller von veganen Joghurt-Alternativen angeschrieben und die Verwendung von Pfandgläsern angeregt. Die Antworten, die wir bekommen haben, lauteten sinngemäß wie folgt:

Mehrwegsysteme aus Glas machen aus ökologischen Gründen nur Sinn, wenn es sich um Standardgläser handelt, die flächendeckend verwendet werden. Der Weg zum nächstgelegenen Abfüller muss möglichst kurz sein. Bei Transporten von mehreren hundert Kilometern übersteigt der negative ökologische Effekt durch das große Gewicht (mehr Emissionen beim Transport) den Vorteil des Mehrwegsystems.

Für bestimmte Milchprodukte (wie Joghurts) und Getränke (wie Mineralwasser und Bier) sind Mehrweg-Abfüllsysteme relativ weit verbreitet. Hersteller veganer Joghurt-Alternativen gibt es nur wenige. Entsprechend weit wären die Transporte, entsprechend hoch die Transportkosten – steigende Preise für die Endverbraucher wären die Folge.

Eine Umstellung auf Glas ist daher derzeit nicht geplant. Wir nehmen Ihre Reklamation zur Kenntnis und werden sie an unsere Abteilungen für Marketing und Entwicklung weiterleiten.“

Zusammengefasst also: Zu wenige Abfüllstationen, dadurch lange Transportwege, dadurch hohe Transportkosten, daher bleibt alles beim Alten.

Die Sicht der Hersteller ist nachvollziehbar, hat aber natürlich auch damit zu tun, dass Plastik als Verpackungsmaterial heute einfach noch viel zu preiswert ist. Die Folgekosten für Einwegverpackungen müssten dringend eingepreist werden. Würde es sich für die Hersteller rechnen, auf Mehrweg-Glas umzusteigen, würde auch das Netz an Abfüllstationen engmaschiger werden, was wiederum die CO2-Emissionen – und die Transportkosten – sinken ließe.

Um eine solche Veränderung in Gang zu bringen, sind Anreize erforderlich. Hier ist die Politik gefragt, endlich Mut zu beweisen, sich von der Verpackungslobby zu lösen und verantwortungsvolle Vorgaben zu machen.

Ein lösbares „Problem“ – der Geschmack

Ach ja: Soja-Joghurt pur ist nicht jedermanns Geschmack – meiner auch nicht. Die Varianten „mit Geschmack“ enthalten oft Zucker und Aromastoffe – wie damals beim „normalen“ Fruchtjoghurt. Alles nicht so einfach. Aber zumindest für dieses Problem gibt es bereits heute Auswege: Einfach Soja-Joghurt „Natur“ kaufen und selbst pürierte Früchte einrühren – fertig ist der vegane Fruchtjoghurt ohne Zuckerzusatz – vielen Dank an was.mit.bildern für den Tipp!

Und wenn es um Müsli geht, ist Hafermilch eine leckere Alternative zu Soja-Joghurt – am besten aus regionalem Anbau. Übrigens kann man sehr gut Hafermilch selber machen – einfach, preisgünstig und verpackungsfrei.

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